Die Bloggosphäre, der Don und die Politik
Irgendwie mutet es schon seltsam an. Da gibt es auf der einen Seite die Bloggosphäre, auch Klein Bloggersdorf genannt, als webbasieerte, interaktive Neuzeitvariante von dem, was früher mal der Äther genannt wurde. In dieser Bloggosphäre gibt es einige Platzhirsche, sozusagen die Großgrundbesitzer unter den Bloggern. Sie sind besonders lange im Rennen, bloggen besonders häufig, treffen einen speziellen Stil, weswegen sie eine große Leserschaft haben, sind im realen Leben leidlich prominente Leute oder eine Mischung aus all diesen Faktoren. So gibt es in der deutschen Bloggosphäre so eine Art Starblogger; zu nennen wären Miagiolare, Mequito, Don Alphonso, Modeste, Don Dahlmann, Spreeblick, Burnster, McWinkel oder das hermetische Café. Vieler dieser Blogs sind untereinander verlinkt, oder die betreffenden Blogger zitieren einander sehr gerne. Der Tonfall ist sehr unterschiedlich, er schwankt von literarischer Hochsprache bei Modeste bis hin zu aufgedreht-fröhlichem Gemotze inklusive bayerischem Watschnverteilen bei Don, ist aber in den meisten Blogs von Ironie geprägt. Wer eines dieser Toppblogs bierernst nehmen würde erschleßt oftmals nicht den Sinn.
Im Laufe der Jahre scheint sich über Kontakte der Blogger im Real Life eine Art Community herausgebildet zu haben, die in unterschiedlichen Städten regelmäßig Lesungen aus den einzelnen Blogs veranstaltet, die mittlerweile schon durch Phänomene wie Fotografierwut und Groupietum von sich reden machen, also popkulturelle Hypeerscheinungen aufweisen, die sie Events wie Konzerten ähnlich machen.
Auf der anderen Seite - und deutlich unterscheidbar von Wahl- und Parteiblogs - gibt es Politblogs, die mehr oder minder ernsthaft gesellschaftspolitische Fragen diskutieren. Alte etablierte Politblogger sind etwa Genosse Tabu, der allerdings schon nahe der Grenze zum Parteiblog befindliche Parteibuch-Marcel oder das jüdische Blog Chuzpe. Seit geraumer Zeit haben sich mit Statler und Waldorf, Achse des Guten oder Café Hayek auch Blogs etabliert, die eher in das konservative Spektrum gehören und mit einer im Wesentlichen immergleichen Blogroll komservative, liberale und auch rechsextreme Blogs verlinken. Bei rebellmarkt (also Don Alphonso) war frühzeitig auf diese Verbindung hingewiesen worden, es hatte einige sehr herbe Angriffe auf einzelne Rechtsblogger gegeben, seither wird dort rebellmarkt als der Feind an sich angesehen. Ein Blog, dessen Betreiber zwar eine politische Meinung hat - ein sozialdemokratischer oberbayerischer Jude, der neben Antisemitismus, Rassismus jeder Art und Neoliberalismus insbesondere die bayerisch-katholische Arroganz kritisiert, dabei aber selbst eine gespielt-überhebliche Pose einnimmt - das aber in weiten Teilen eher ein literarisch angehauchtes Zeitgeist- und Lifestyle-Blog ist wird auf zwei diametral unterschiedliche Weisen betrachtet. Einerseits ist es eines der erfolgreichsten und bestbesuchte Blogs der deutschen Bloggosphäre, virtueller Aufenthaltsraum insbesondere für die Dotcomtod-Veteranen, aber auch zahlreiche Leute aus den anderen oben erwähnten "etablierten" Blogs. rebellmarkt ist eine Art Treff- und Kontenpunkt der Bloggosphäre.
Und auf der anderen Seite scheint es da eine hermetisch abgeschottete Welt bierernster Politikblogs der Konservativen und Rechtsliberalen zu geben, die teilweise mit permanenter Beschimpfung von Ausländern, Linkspolitikern und Umweltschützern beschäftigt sind, teils auch in moderatem Tonfall über liberale Inhalte diskutieren, dabei aber auffälligerweise die in der deutschen liberalen Tradition nicht verwurzelte Denkschule Hayeks zum alleinigen Dreh- und Angelpunkt haben. Die, ich nenne es mal so, "etablierte" Bloggosphäre und die "Rechtsblogs" nehmen voneinander praktisch keine Kenntnis, nur auf den explizit politischen Blogs haut man sich.
Kalter Krieg in der Bloggosphäre?
Im Laufe der Jahre scheint sich über Kontakte der Blogger im Real Life eine Art Community herausgebildet zu haben, die in unterschiedlichen Städten regelmäßig Lesungen aus den einzelnen Blogs veranstaltet, die mittlerweile schon durch Phänomene wie Fotografierwut und Groupietum von sich reden machen, also popkulturelle Hypeerscheinungen aufweisen, die sie Events wie Konzerten ähnlich machen.
Auf der anderen Seite - und deutlich unterscheidbar von Wahl- und Parteiblogs - gibt es Politblogs, die mehr oder minder ernsthaft gesellschaftspolitische Fragen diskutieren. Alte etablierte Politblogger sind etwa Genosse Tabu, der allerdings schon nahe der Grenze zum Parteiblog befindliche Parteibuch-Marcel oder das jüdische Blog Chuzpe. Seit geraumer Zeit haben sich mit Statler und Waldorf, Achse des Guten oder Café Hayek auch Blogs etabliert, die eher in das konservative Spektrum gehören und mit einer im Wesentlichen immergleichen Blogroll komservative, liberale und auch rechsextreme Blogs verlinken. Bei rebellmarkt (also Don Alphonso) war frühzeitig auf diese Verbindung hingewiesen worden, es hatte einige sehr herbe Angriffe auf einzelne Rechtsblogger gegeben, seither wird dort rebellmarkt als der Feind an sich angesehen. Ein Blog, dessen Betreiber zwar eine politische Meinung hat - ein sozialdemokratischer oberbayerischer Jude, der neben Antisemitismus, Rassismus jeder Art und Neoliberalismus insbesondere die bayerisch-katholische Arroganz kritisiert, dabei aber selbst eine gespielt-überhebliche Pose einnimmt - das aber in weiten Teilen eher ein literarisch angehauchtes Zeitgeist- und Lifestyle-Blog ist wird auf zwei diametral unterschiedliche Weisen betrachtet. Einerseits ist es eines der erfolgreichsten und bestbesuchte Blogs der deutschen Bloggosphäre, virtueller Aufenthaltsraum insbesondere für die Dotcomtod-Veteranen, aber auch zahlreiche Leute aus den anderen oben erwähnten "etablierten" Blogs. rebellmarkt ist eine Art Treff- und Kontenpunkt der Bloggosphäre.
Und auf der anderen Seite scheint es da eine hermetisch abgeschottete Welt bierernster Politikblogs der Konservativen und Rechtsliberalen zu geben, die teilweise mit permanenter Beschimpfung von Ausländern, Linkspolitikern und Umweltschützern beschäftigt sind, teils auch in moderatem Tonfall über liberale Inhalte diskutieren, dabei aber auffälligerweise die in der deutschen liberalen Tradition nicht verwurzelte Denkschule Hayeks zum alleinigen Dreh- und Angelpunkt haben. Die, ich nenne es mal so, "etablierte" Bloggosphäre und die "Rechtsblogs" nehmen voneinander praktisch keine Kenntnis, nur auf den explizit politischen Blogs haut man sich.
Kalter Krieg in der Bloggosphäre?
netbitch - 7. Mär, 09:50
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