Unwort der Saison: Islamversteher
Das Wort fand ich auf dem Blog shifting reality (nein, nicht bei einem der Blogbetreiber, sondern einem Kommentator), es galt dem antirassistischen Blogger Lysis. Toller Ausdruck, würglich, abgeleitet von Frauenversteher, einem Ausdruck, der meist unter Scherzbezeichnungen für Weichei wie Warmduscher oder Schattenparker einhergeht, aber eigentlich etwas Anderes aussagt. Wer uns Frauen versteht, ist kein richtiger Mann ist ja die eigentliche Aussage, die als Metabedeutung intendiert, dass Frauen grundsätzlich irrational und in ihrer Denkstruktur (falls wir denn denken) vom Mann grundsätzlich wesensverschieden seien, oder aber, dass Mann und Frau zwei feindliche Lager in einem als Konflikt mit Sieg oder Niederlage gedachten Geschlechterkampf seien und Männer gefälligst Geschlechtssolidarität untereinander üben sollten, oder die Frauenbewegung stelle eine zu bekämpfende Bedrohung der Männlichkeit dar. Männlichkeit ist in einem solchen Konzept auch nur als klassisches Mackertum denkbar. Männer, die Frauenversteher nicht, wie fast immer, scherzend oder veralbernd, sondern richtig ernst gemeint verwenden, sind eigentlich eine Art dumpfe Machos, mit denen frau sich besser nicht abgeben sollte. Ich drücke mich da gerne noch klarer aus: Male chauvinist pigs. Übertragen auf das Verhältnis der Kulturen zueinander kommt dann bei einem ernstgemeinten Gebrauch des Begriffs Islamversteher eine Kalte-Kriegs-Logik in "geh doch nach drüben"-Tradition heraus, die die gesamte islamische Welt als natürlichen Feind des Westens betrachten, verbunden mit einer gehörigen Dosis Machismo. Damit sind dann Leute, die sich höchstwahrscheinlich noch als antideutsche Linke sehen, zwischen Kewil, PI und Pax Europa bestens aufgehoben.
netbitch - 4. Nov, 17:17
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