momorulez (Gast) - 15. Jun, 22:22

Georgi erfindet sich doch hier auch die ganze Zeit als Opfer jener mit erfundenen Opferidentitäten, das ist seine Form der Selbstreflexion.

Zudem es schon außerordentlich eklig ist und übrigens purer Liberalismus für Anfänger, die Frage nach der Soah darauf zu verengen, wer auch immer sich als als Opfer von sonstwas nun gerade erfunden hat oder auch nicht, weil es die nun mal ebenso gab, wie es Vergewaltigungen gibt, die sich aus einem aggressiven Machtanspruch von Männern über Frauen speisen.

Georgi hingegen argumentiert fortwährend im Paradigma von Milton Friedman und solchen Pfeifen, die z.B. Rassismus als Geschmacksfrage behaupten, während er sich zugleich als weltgrößter Klassenkämpfen geriert, und proklamiert eine Rückbindung des Gesagten an die Authenfizierung eines Sprechers, so, wie irgendwelche Deppen "Leistung" als etwas an Individuen gekoppeltes missverstehen, die dann ggf. abzusprechen sei, weil ja nur erfunden.

Dass einst mit guten Gründen z.B. Barthes oder Foucault den "Tod des Autors" proklamierten, weil eben das, was gesagt wird, überindividuell und nicht rückgekoppelt an irgendwelche quasigerichtlichen Verantwortungzuschreibungen zu verstehen ist, geht im Zuge dieser allgemeinen Diskursvermengung mit staatsanwaltschaftlicher Attitude völlig unter, weil man ja eigentlich, zutiefst christlich geprägt, wie Georgi das ist, unser kleiner Inquisitor, den ganzen Diskurs führt, um SICH selbst zu entschulden, weil man sich auf irgendwelchen Abgründen der eigenen psychischen Selbst-Konstitution als "deutsch" mittels der Anführung des Beispiels Lea Rosh mutmaßlich komplett der Frage nach der Shoa entledigen möchte, über die redet ja praktischerweise dann keiner mehr, um vermutlich wie einst Martin Walser sich unterschwellig nationalistisch der "Auschwitzkeule" zu entziehen.

Lustige Mischung: Liberale Verantwortungsethik und Individualisierungspraxis mit christlichen und nationalistischen Untertönen, die "Opfer" analog zu erbrachten Leistungen versteht,p. Und so was sehnt dann Sozialismus herbei ...

Und der ganze Aufwand dann auch noch, um einen der Fälle, wo die Authentifizierungspraxis tatsächlich mal Sinn macht, nämlich dem, ob eine Frau die Erfahrung gemacht hat, vergewaltigt worden zu sein, zu entwerten. Gruselig. Und das machen dann weiße, heterosexuelle Männer, um sich selbst zu opferisieren. Grandios.

netbitch - 15. Jun, 22:48

Das Perfide an diesem Entschuldungsdiskurs ist, dass nicht einfach Täter zu Opfern gemacht werden, sondern Opfer in eine Selbstrechtfertigungsposition gedrängt werden, macht der aktuelle Spiegel-Artikel, in dem es darum geht, dass es keine Männer mehr gäbe ganz gut vor. Ich wurde ja schon einerseits in die Position gebracht, dass ich wohl auf Sex verzichten müsste, wenn ich die Definitionsmacht über das, was Vergewaltigung ist für mich in Anspruch nehmen würde (Feministinnen sind alle prüde und lustfeindlich, ja schlimmer noch, implizit müsste ich bereit sein, mich vergewaltigen zu lassen, wenn ich Sex mit Männern, vielleicht noch wechselnden haben wollte), während ich andernorts als jugendgefährdend gelte, wenn ich über die Schönheit des Peitschens und Gepeitscht-Werdens fachsimpele. Dann bin ich also zugleich moralrepressive Schwarzer-Epigonin und wüste Exzess-BDSMerin, mache gleichzeitig die Nonne und die Orgienführerin.

Parallel dazu wird die Möglichkeit erwägt, dass ich auch ein männlicher Altnazi sein könnte, der im Web auslebt, was er nie sein konnte. All diese Popanze wurden aufgestellt, um zu verhindern, dass Hetero-Männer sich jemals selbstkritisch mit der eigenen Rolle beschäftigen und sich mal offen machen (ist nicht so schwer, Junx. Offen machen wollt ihr von uns ja immer) dafür, feministische Kritik überhaupt zu verstehen. Ich versteh das schon: Ich bin eine Frau, für die es in Eurer perversen Sprache (pervers nicht im Sinne von homo oder BDSM, sondern im Sinne von verdreht, emanzipationsfeindlich, abstrus) kein Wort gibt. Eine Frau, die ihr eigenes Ding durchzieht, my own kind. Was sind das für ichschwache Männerseelen, die damit nicht zurechtkommen?
che2001 - 15. Jun, 23:34

Während ich gerade aus meinem Fenster einem vögelnden Paar, das ich kenne zuschauen könnte (mache ich aber nicht, erstens weiß ich, was sich gehört, zweitens schreibe ich) wundere ich mich mal wieder sehr. Diesen ganzen antifeministischen Kontext, in dem Georgi argumentiert, würde ich keinem linken Zusammenhang, sondern eher dem RCDS zuordnen. Wobei zum Thema Vergewaltigung ich selbst von Burschenschaftern frauenfreundlichere Positionen kenne, im Sinne von "Die Ehre der Frau verteidigen."

Wenn Georgis Positionen links sein sollen hat er die letzten 50 Jahre linker Diskussionen nicht mitbekommen. Netbitch, vielen Dank für Deine Ausführungen, besonders für den Text zum lieben Belästiger oder so, das hat viel mehr zur Debatte beigetragen als der sonstige Unfug. Bist ne tolle Frau!
netbitch - 15. Jun, 23:55

@momo, Che: Dankeschön. Ich fand ja interessant, was Georgi hier noch so geäußert hat, seine völlige Nichtwahrnehmung meiner Ansage, dass er hier nicht willkommen sei aber auch. Ich kann das noch als "Verpiss Dich!" formulieren oder ihn löschen. Aus der Position einer zwischen allen nur denkbaren Stühlen Stehenden - erfolgreiche Marketingmanagerin, Sportwagen- und Harleyfahrerin mit linksradikaler Orientierung und wüsten Sexpraktiken, aber Feministin - kann ich Euch nur sagen: Danke, dass ihr zu mir steht!

Und dem Fuckin rest: Piss off!
netbitch - 17. Jun, 00:22

Ich fühle mich ja sehr verstanden bei dem, was momo und che hier schrabten. Was das hier angeht

"Wer weiß, vielleicht steckt hinter netbitch1 ein alter, fetter Sack, ehemaliges Mitglied der NSDAP oder sowas ähnliches, der nicht hat sein können, was er hat seingewollt, und am Ende seiner Tage alles nachholt, was er versäumt hat." frage ich mal, um im Jargon des Autors zu bleiben, vielleicht ist ja aber auch eine mitteljunge schlanke Möse, ehemalige autonome Straßenkämpferin, die fortsetzt, was sie immer wollte.

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