Völlig recht hast Du, Hartmut, was die „Ware Opfer“ betrifft, wenn sich, wie im Beispiel „Feuerherz“ von Senait Mehari, jemand als etwas ausgibt, was er oder sie nicht ist: Lediglich um die Karriere und die Selbstvermarktung zu fördern. (Allerdings: unabhängig vom Wahrheitsgehalt ist dieses Buch bereits der Form nach medialer Kitsch.) Schnell verlief sich der Fall dann im Sande und kaum einer sprach mehr davon.
Und es sind solche Lügen zudem ein Schlag ins Gesicht gegenüber denen, welche keinen medialen Resonanzraum erhalten oder sich diesen nicht verschaffen können, weil das System Springer/Burda/Holtzbrinck/Bertelsmann/Burda/Welbild nicht an solchen Perspektiven interessiert ist, sondern lediglich am narkotischen Krawall bzw dem Gegenstück: der narkotischen Rührseligkeit. Denn das System „Medien“ ist ein Narkosesystem, das nur das und vor allem selektiv zum Sprechen bringt, was den eigenen Nutzen maximiert.
Und damit bin ich bei den Aspekten, die Momorulez anspricht. Die Mehrzahl sind eben nicht Opfer, die keine sind, sondern Opfer, denen Gewalt angetan wurde, die keinerlei oder sehr wenig Stimme haben; in diesem speziellen Falle: Frauen, die vergewaltigt, Frauen gegen die Gewalt ausgeübt wurde. Skepsis als erste Reaktion bei der Schilderung einer Vergewaltigung, sei es im Bekanntenkreis oder in der Vernehmungssituation, ist wohl das letzte, was hier hilfreich ist und dient dann, bei aller Berechtigung, die Skepsis ansonsten hat, ihrem Gegenteil: nicht Kritik zu üben, kritisches Bewußtsein abzugeben, sondern das, was ist, zu befestigen.
Anders sieht es natürlich bei einem Richter/einer Richterin aus, der/die kritisch prüfen muß und die Beweise und Gegenbeweise gleichermaßen sichtet. Auch hier ist allerdings die Frage zu stellen, wie intern vorgegangen wird, wie sich die Praktiken strukturieren und entwickelt haben. Dies aber ist eine ganz andere Perspektive als die der Opfer oder der Marginalisierten; genauso wie die Perspektive, wo uns ein Geschehen durch die Medien vermittelt wird, eine völlig andere ist. Diese Dinge sind in herrschende Diskurse eingebunden, die systemstabilisierend wirken sollen: als System „Justiz“, das es noch einmal gesondert zu hinterfragen gilt nach seinen Mechanismen. Hierzu sei ein sehr langer Text von Foucault empfohlen: „Die Wahrheit und die juristische Form“, wo die Strukturen von Macht und Wissen, die sich über die juristischen Form ausdifferenzieren, analysiert werden. Und als System „Medien“, das sich nicht für Opfer oder für Täter interessiert, sondern einer völlig eigenen Dynamik folgt. Eine Kritik der Justiz bedeutet dabei freilich nicht, das gesamte Rechtssystem über Bord zu werfen und die Wasserprobe oder die hochnotpeinliche Befragung wieder einzuführen. Zu empfehlen ist hier, wie gesagt, jener Text von Foucault.
Ich vermag es nicht zu sagen, was ein Opfer zu tun hat, weil ich keines bin oder war. Was ich lediglich machen kann, ist hier zuzuhören, was mir erzählt wird und dieses Erzählte ernst zu nehmen. Diesen Stimmen einen Raum zu geben, halte ich für elementar, und zwar nicht in einer paternalistischen Weise. In diesem Falle muß ich dann – ausnahmsweise einmal – einbekennen, daß meine Stimme hierbei sekundär ist. Allerdings muß dieser Raum, diese geschaffene Möglichkeit zum Diskurs rückwirken auf die Justiz und die Exekutive sowie die ihr nachgeordneten Vollzugsorgane Polizei und Staatsanwaltschaft. Ansonsten blieben diese Dinge ein leeres Spiegelspiel.
Und in der Diskussion drüben bei che ging es ja nicht primär darum, ob die Frau, welche Kachelmann anzeigte, nun Opfer ist oder nicht, sondern um die Möglichkeiten, die vergewaltigte Frauen haben: daß Ihnen Gerechtigkeit zukommt. Und diese Möglichkeiten sind immer noch, trotz mancher Verbesserung im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten, denkbar schlecht. Darauf ist der Blick zu richten.
(Schlimm allerdings, wenn sich an solchen Gesprächen Flachorgelpfeifen wie Jens beteiligen. Dies ist dann die Empathie des Hohlsinns. Was soll man da noch sagen: Jens hat Demenz? Aber das pfeifen in Tübingen mittlerweile nicht einmal mehr die Spatzen von den Dächern.)
Ich finde das auch verblüffend, wie außer Bersarin dieser Haufen Kerle hier einfach weiter monologisiert. Unertrãglich. Und vor allem, wie sich permanent quasi-richterlich die "3. Person", ein "man" konstituiert, das in sich die Position eines Richters im Strafprozess einnimmt. So was "ich" bläht sich auf zum objektiven Weltwissen, und ein "Du" wird nur als instrumentelles formuliert: Zurichtungsberechtigung oder auch nicht. Georgi ist außerstande, auch nur irgendein Argument auch nur wahrzunehmen, was sich außerhalb der Strafprozessordnung situiert.
@Hartmut:
Ich weiß ja nicht, ob bei Dir manipulativer Blödsinn irgendwie dazu gehört; dass Du tatsächlich glaubst, Du bräuchtest nur "Amarell" sagen, und irgendein "Anti-Hartmut"-Dingens würde nicht mehr funzen, ist eine Unverschämtheit. Der Hauptgrund, aus dem ich in der Regel keine Lust habe, mit Dir zu kommunizieren, sind diese manipulativen Manöver. Das ist mir einfach zu anstrengend.
Bemerkenswerterweise ist bei Deinem Kampf gegen das Unrecht ja, wem Du "Eigenanteile" andichtest und wem nicht. Und diese Ausflüge in schlechten Liberalismus, die völlig verschiedene Sachverhalte mal eben über einen Kamm scheren und in einen dämlichen Anti-PC-Kampf münden. Du bewegst Dich im gleichen Paradigma wie die "Bissigen Liberalen". Mit denen konnte man auch nicht reden, weil die alles Relevante weg formalisierten.
Ein möglicher Schlüssel zum Thema "Definitionsmacht" ist übrigens das, was Tugenhat in "Selbstbewusstsein und Selbsbestimmung" über die epistemische Assymetrie und veritative Symetrie beim unmittelbaren epistemischen Selbstbewusstsein schrub. Bevor jetzt wieder irgendwer in alberne Postmodernekritik abdriftet.
hartmut (Gast) - 18. Jun, 12:29
momo, die "Eigenanteile" betrafen den speziellen fall einer psychischen Abhängigkeit, den ich schilderte. Eine körperlich angegriffene Frau hat keine "Eigenanteile" zu verantworten; das sollte wohl klar sein.
Bei vergewaltigungen, die - sozusagen leider - keine Spuren hinterlassen haben, versagen die Mittel des rechtsstaats. ich weiß da keine Lösung.
Bersarin hat die Symphonie in einem Akkord beschlossen. Doch der war ein Trugschluß, wie man das in der Musik so nennt. Es folgt noch eine noch dramatischere Durchführung.
Georgi ist außerstande, auch nur irgendein Argument auch nur wahrzunehmen, was sich außerhalb der Strafprozessordnung situiert.
Doch, Eure Argumente haben aber nur im Zusammenhang mit dem Kachelmann-Prozeß nichts zu suchen.
Ich bestehe ja auch darauf, daß, wenn jemand behauptet, er sei Opfer von Migrantengewalt geworden, daß das vor Gericht nachgeprüft wird, bevor ich anfange, für das mutmaßliche Opfer Empathie zu empfinden. Es könnte ja sein, daß das mutmaßliche Opfer sich die Tat ausgedacht hat, einfach, weil es was gegen Migranten hat. Mit Hilfe eines beglaubigten Opferstatus kann man sich dann so schön öffentlich in Szene setzen und herrlich dem Haß auf seine Feinde frönen. Die Schnorren, die H. M. Broder anführt, glaube ich ja deshalb auch nicht unbesehen. Es wäre ja noch schöner, wenn irgendwelche Moslemhasser mir befehlen könnten, mich ihrem Verfolgungswahn und Ressentiment anzuschließen. Gleiches gilt für Maskulisten und Feministen und Anhänger noch anderer Weltanschauungsgemeinschaften mit ausgeprägten Feindbildern.
Etwas abgewinnen kann ich Bersarins Bemerkungen:
Und damit bin ich bei den Aspekten, die Momorulez anspricht. Die Mehrzahl sind eben nicht Opfer, die keine sind, sondern Opfer, denen Gewalt angetan wurde, die keinerlei oder sehr wenig Stimme haben; in diesem speziellen Falle: Frauen, die vergewaltigt, Frauen gegen die Gewalt ausgeübt wurde. Skepsis als erste Reaktion bei der Schilderung einer Vergewaltigung, sei es im Bekanntenkreis oder in der Vernehmungssituation, ist wohl das letzte, was hier hilfreich ist und dient dann, bei aller Berechtigung, die Skepsis ansonsten hat, ihrem Gegenteil: nicht Kritik zu üben, kritisches Bewußtsein abzugeben, sondern das, was ist, zu befestigen.
Die Dunkelziffern von Falschanschuldigungen und Vergewaltigungen dürften sehr hoch sein. Deshalb kann man deren Häufigkeit auch nicht vergleichen. Außerdem ist die Strafjustiz unzuständig. Das, was ihr von ihr fordert, kann sie unmöglich leisten.
@"Außerdem ist die Strafjustiz unzuständig. Das, was ihr von ihr fordert, kann sie unmöglich leisten." ----- Was fordern wir denn von der Strafjustiz? Momorulez hat wiederholt darauf hingewiesen, dass ihm keine juristische Lösung einfiele, konkrete Änderungen in der Durchführung von Strafverfahren wurden eher am Rande von Netbitch ins Feld geführt, ansonsten ging es hier tatsächlich um die üble Rolle, die sensationshungrige Medien im Kachelmann-Prozess gespielt haben und eben das Thema der Definitionsmacht. Deine Behauptung, wir würden von der Strafjustiz etwas fordern ist einmal mehr Beweis, dass Du uns nicht zuliest.
Deine Behauptung, wir würden von der Strafjustiz etwas fordern ist einmal mehr Beweis, dass Du uns nicht zuliest.
Die Definitionsmacht der Frauen im Strafprozeß fordert ihr. Das Thema "Definitionsmacht" ausgerechnet am Kachelmann-Prozeß abzuhandeln, muß aber bei allen beteiligten Seiten zu Mißverständnissen führen.
Zu erklären, was Vergewaltigung sei, könnte allein das Opfer bestimmen. Wenn es meint, es hätte eine Vergewaltigung gegeben, dann sei das so. Die Aussage des Opfers müßte dann vom Gericht so übernommen werden. Denn der Begriff der Vergewaltigung sei ja dadurch bestimmt, daß damit nicht-einvernehmlicher Sex gemeint sei. Einvernehmlicher Sex ist nicht strafbar, nicht-einvernehmlicher Sex ist Vergewaltigung und ein Kapitalverbrechen. Alles hängt also vom Einvernehmen ab. Und das ist eine rein-subjektive Einschätzung der Frau. Einschätzungen lassen sich nicht forensisch überprüfen. Forensische Überprüfungen führten nur zu überflüssigen Qualen des Opfers, weil es die traumatischen Erlebnisse ein zweites Mal durchmachen müßte, und die auch zu keinen verwertbaren Ergebnissen führen können, weil sie den Willen der Frau nicht beweisen. Falschbezichtigungen dagegen gibt es nicht, naja so selten, daß man das praktisch vernachlässigen kann. Auf dieser Grundlage wäre Kachelmann schuldig zu sprechen gewesen sein, denn der Sex wurde ja nie bestritten. Und hätte es die Definitionsmacht im Prozeß gegeben, dann hätte sich das Opfer auch seine Lügen ersparen können.
So ungefähr geht die Argumentation in o.g. Quelle. Auf dieser Grundlage erhebt sich dann der beklagte Lärm im WWW.
Ich habe oben ja eine Quelle angegeben, wo diese Meinung im Zusammenhang vertreten wird. Das dürfte keine Außenseiter-Position sein. In Diskussionen wollen ja feministische Vertreter andauernd Dinge nie so gemeint und gesagt haben.
Alter Männer monologisieren ja gerne, Georgi, und irgendwann packt man das auch nicht mehr mit der Wahrnehmung, dafür habe ich vollstes Verständnis - aber die Definitionsmacht als Kriterium im Strafprozess habe zumindest ich nun mal so was von wiederholt NICHT gefordert, dass ich Dir nicht mehr folgen kann. Du bist ja geradezu besessen von den Geistern, die Du selbst beschwörst.
Und mal abgesehen davon: Ich habe gerade mit einem Richter zu dem Thema telefoniert, der selber der Auffassung ist, dass die Definitionsmacht beim Opfer zu liegen hat. Und der sagte, Maßstab sei immer die objektivierbare, kundgegegebene Ablehnung des Opfers. Wo kein "Nein", da keine Vergewaltigung. Aber in welcher Form diese vorgenommen wurde, das sei dann eben nicht mehr so objektiviert forensisch beschreibbar wie in älteren Verfahren, sondern liege in einem hohen Maß im Wahrnehmungsbereich des Opfers. Geschlechtsverkehr in irgendeiner Form muss da aber schon stattgefunden haben.
Da frag ich mich doch, warum feministische Aktivisten Slutwalks veranstalten oder das hier, auf das ich mich immer beziehe.
Der entscheidende Teil der Aussage des Richters liegt wohl beim Wort "objektivierbar". Ich habe keine Vorstellung, wie ein objektivierbares "Nein" aussehen könnte.
In Deinem Fall liegt das objektivierbare "Nein" in der Tatsache, dass ich Dich auf meinem Blog nicht haben will, Dir das auch gesagt und um ein "Piss off" erweitert habe und Du Dich immernoch hier rumtreibst. Weitere Georgi-oder alias Beiträge werden gelöscht. Wer immerzu die Ungerechtigkeit und Fanatisierheit feministischer Positionen beklagt, sollte sie wohl mal selbst erfahren.Hartmut und Genova, das gilt nicht für Euch.
hartmut (Gast) - 19. Jun, 02:16
schnell noch mal: Momo, ich sags zum gefühlten 27sten mal: Kein Vernünftiger bestreitet die Legitimität Deiner/Eurer Perspektive, das bereichernde. Um die ging es mir aber nicht. Mir ging es um konkret um den Fall. Ich war pro kachelmann aus dem selben Grund, aus dem ich pro Amerell war oder pro Amanda Knox. Pro Vera Brühne (damals übelst zur Quasi-Nutte gelabelt). Es ist unstreitig - allein die gehaltsverteilung belegt es -, dass Frauen bis heute strukturell diskriminiert werden. Es ist unstreitig, dass eine erkleckliche Menge von Vergewaltigern schadlos aus der sache herauskommen. 13 % verurteilungsquote! Selbst wenn wir Püschels 30 % (30 % falschbeschuldigerinnen) mitmachen, klafft da eine erhebliche Lücke! Die muss geschlossen werden!
Zu meinen unerbetenen "Tipps": Also, ich habe da noch mal recherchiert. Statistisch läßt sich sagen, dass bei sexuell motivierten Angriffen häufig der gute alte Satz "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt" gilt - aber leider nicht immer. manchmal gilt auch: "Kooperieren" (sorry für das böse Wort. Aber die Viktimologie verwendet solche Begriffe eben wertfrei im weberschen Sinn.) Primärziel muss sein: Überleben. Sekundärziel: das Schwein ausm Verkehr ziehen. Anbei: Was ich über die Augen als Angriffsziel sagte stimmt schon: Der Seh-Sinn ist unser wichtigster Sinn, ein entschlossener Gegenangriff auf den Seh-Sinn nimmt dem Angreifer im wahrsten Sinne augenblicklich seine Sicherheit. Kampfsporterfahrene werden noch andere, ggfls bessere Möglichkeiten kennen. Aber ich erinnere auch an das, was mir damals in meiner Jugend (so verkündt´ der Ü40-Opa jetzt mal, sich im Sessel zurücklehnend) mein Judo- und Karatelehrer sagte (es war Judo, er war aber auch Karate-Ka und hat karateelemente eingebaut), nachdem wir einen Abend lang "Abwehr eines Messerangriffs von oben" geübt haben: Wir standen nach Abschluß des Trainings in Gruppe um ihn rum.
"So, das haben wir jetzt also durchgenommen. Was also tue ich, wenn ich mit einem Messer angegriffen werde? Bitteschön, was sagst Du!"
Kollege fängt an. "Also, ich weise seinen Arm so-und-so ab..."
"QUATSCH! Umdrehen, weglaufen, um Hilfe rufen! Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass Ihr nach einem Abend fitt genug seid, um so einen Angriff abzuwehren mit Euren 12, 13, 14 jahren!"
Tanja Graeff, ersichtlich Opfer eines Sexualmordes, hat Kick-Boxen gemacht. Scheisse...
an netbitch habe ich die Bitte, meinen oben geschilderten fall wegzukürzen. In meiner heimat könnten allzu viele erkennen, über wen ich da rede. Die damit verbundene These halte ich allerdings aufrecht: Körperliche vergewaltigung = da gibt es keine "Eigenanteile". Bei (physischer oder psychischer) gewalt darunter aber sehr wohl. beispiel: Eine Frau, die sich, Gottodernietzsche seis geklagt, jahrelang von Männe eine semmeln lässt. Sie tut mir leid, aber gewisse Eigenanteile - aus falsch verstandener Loyalität - kann ich da in psychologischer Hinsicht nicht absprechen, leider. Und sollte hier eine Frau, die es betrifft, mitlesen: Herrje, zeig den Wichser doch endlich an, mistnochmal!
Viktimologisch gibt es übrigens immer "Eigenanteile" des Opfers, wobei die Viktimologie diese "Eigenanteile" eben NICHT als moralischen Vorwurf versteht. Der Täter ist der Täter und punkt, period! Wenn die Viktimologie sagt, die attraktive 24jährige Frau habe sich in eine viktimogene Situation begeben, als sie um 2 Uhr nachts einsam, ohne Pfefferspray, ohne Nahkampfausbildung, im Park spazieren ging, so sagt die Viktimologie eben NICHT: Selba schuuld! Es war ihr gottverdammtes Recht, um 2 Uhr nachts allein spazieren zu gehen - dieses Recht ist stark zu machen. Wer hier daherlallt, sie sei selber Schuld, dem ist zumindest virtuell eine zu ballern. Ums mal auf ne Alltagssituation runterzubrechen: man darf mir mein Rad auch dann nicht klauen, wenn ich mal vergessen haben sollte, es abzuschließen. Aber viktimologisch habe ich mich durchs nicht-abschließen eben in eine sog. viktimogene Situation begeben. (Mir sind hier in Hamburg in den letzten 24 jahren 5 Räder geklaut worden...alle waren abgeschlossen ;-) Fahrraddiebstahl ist asozial!!!). Die Viktimologie will einfach dabei helfen, dass wir das Phänomen Verbrechen verstehen. ich gkaube, der fast völlige Zusammenbruch der Kommunikation zwischen uns macht sich genau hier fest.
Und es sind solche Lügen zudem ein Schlag ins Gesicht gegenüber denen, welche keinen medialen Resonanzraum erhalten oder sich diesen nicht verschaffen können, weil das System Springer/Burda/Holtzbrinck/Bertelsmann/Burda/Welbild nicht an solchen Perspektiven interessiert ist, sondern lediglich am narkotischen Krawall bzw dem Gegenstück: der narkotischen Rührseligkeit. Denn das System „Medien“ ist ein Narkosesystem, das nur das und vor allem selektiv zum Sprechen bringt, was den eigenen Nutzen maximiert.
Und damit bin ich bei den Aspekten, die Momorulez anspricht. Die Mehrzahl sind eben nicht Opfer, die keine sind, sondern Opfer, denen Gewalt angetan wurde, die keinerlei oder sehr wenig Stimme haben; in diesem speziellen Falle: Frauen, die vergewaltigt, Frauen gegen die Gewalt ausgeübt wurde. Skepsis als erste Reaktion bei der Schilderung einer Vergewaltigung, sei es im Bekanntenkreis oder in der Vernehmungssituation, ist wohl das letzte, was hier hilfreich ist und dient dann, bei aller Berechtigung, die Skepsis ansonsten hat, ihrem Gegenteil: nicht Kritik zu üben, kritisches Bewußtsein abzugeben, sondern das, was ist, zu befestigen.
Anders sieht es natürlich bei einem Richter/einer Richterin aus, der/die kritisch prüfen muß und die Beweise und Gegenbeweise gleichermaßen sichtet. Auch hier ist allerdings die Frage zu stellen, wie intern vorgegangen wird, wie sich die Praktiken strukturieren und entwickelt haben. Dies aber ist eine ganz andere Perspektive als die der Opfer oder der Marginalisierten; genauso wie die Perspektive, wo uns ein Geschehen durch die Medien vermittelt wird, eine völlig andere ist. Diese Dinge sind in herrschende Diskurse eingebunden, die systemstabilisierend wirken sollen: als System „Justiz“, das es noch einmal gesondert zu hinterfragen gilt nach seinen Mechanismen. Hierzu sei ein sehr langer Text von Foucault empfohlen: „Die Wahrheit und die juristische Form“, wo die Strukturen von Macht und Wissen, die sich über die juristischen Form ausdifferenzieren, analysiert werden. Und als System „Medien“, das sich nicht für Opfer oder für Täter interessiert, sondern einer völlig eigenen Dynamik folgt. Eine Kritik der Justiz bedeutet dabei freilich nicht, das gesamte Rechtssystem über Bord zu werfen und die Wasserprobe oder die hochnotpeinliche Befragung wieder einzuführen. Zu empfehlen ist hier, wie gesagt, jener Text von Foucault.
Ich vermag es nicht zu sagen, was ein Opfer zu tun hat, weil ich keines bin oder war. Was ich lediglich machen kann, ist hier zuzuhören, was mir erzählt wird und dieses Erzählte ernst zu nehmen. Diesen Stimmen einen Raum zu geben, halte ich für elementar, und zwar nicht in einer paternalistischen Weise. In diesem Falle muß ich dann – ausnahmsweise einmal – einbekennen, daß meine Stimme hierbei sekundär ist. Allerdings muß dieser Raum, diese geschaffene Möglichkeit zum Diskurs rückwirken auf die Justiz und die Exekutive sowie die ihr nachgeordneten Vollzugsorgane Polizei und Staatsanwaltschaft. Ansonsten blieben diese Dinge ein leeres Spiegelspiel.
Und in der Diskussion drüben bei che ging es ja nicht primär darum, ob die Frau, welche Kachelmann anzeigte, nun Opfer ist oder nicht, sondern um die Möglichkeiten, die vergewaltigte Frauen haben: daß Ihnen Gerechtigkeit zukommt. Und diese Möglichkeiten sind immer noch, trotz mancher Verbesserung im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten, denkbar schlecht. Darauf ist der Blick zu richten.
(Schlimm allerdings, wenn sich an solchen Gesprächen Flachorgelpfeifen wie Jens beteiligen. Dies ist dann die Empathie des Hohlsinns. Was soll man da noch sagen: Jens hat Demenz? Aber das pfeifen in Tübingen mittlerweile nicht einmal mehr die Spatzen von den Dächern.)
Ja.
@netbitch:
Ich finde das auch verblüffend, wie außer Bersarin dieser Haufen Kerle hier einfach weiter monologisiert. Unertrãglich. Und vor allem, wie sich permanent quasi-richterlich die "3. Person", ein "man" konstituiert, das in sich die Position eines Richters im Strafprozess einnimmt. So was "ich" bläht sich auf zum objektiven Weltwissen, und ein "Du" wird nur als instrumentelles formuliert: Zurichtungsberechtigung oder auch nicht. Georgi ist außerstande, auch nur irgendein Argument auch nur wahrzunehmen, was sich außerhalb der Strafprozessordnung situiert.
@Hartmut:
Ich weiß ja nicht, ob bei Dir manipulativer Blödsinn irgendwie dazu gehört; dass Du tatsächlich glaubst, Du bräuchtest nur "Amarell" sagen, und irgendein "Anti-Hartmut"-Dingens würde nicht mehr funzen, ist eine Unverschämtheit. Der Hauptgrund, aus dem ich in der Regel keine Lust habe, mit Dir zu kommunizieren, sind diese manipulativen Manöver. Das ist mir einfach zu anstrengend.
Bemerkenswerterweise ist bei Deinem Kampf gegen das Unrecht ja, wem Du "Eigenanteile" andichtest und wem nicht. Und diese Ausflüge in schlechten Liberalismus, die völlig verschiedene Sachverhalte mal eben über einen Kamm scheren und in einen dämlichen Anti-PC-Kampf münden. Du bewegst Dich im gleichen Paradigma wie die "Bissigen Liberalen". Mit denen konnte man auch nicht reden, weil die alles Relevante weg formalisierten.
Ein möglicher Schlüssel zum Thema "Definitionsmacht" ist übrigens das, was Tugenhat in "Selbstbewusstsein und Selbsbestimmung" über die epistemische Assymetrie und veritative Symetrie beim unmittelbaren epistemischen Selbstbewusstsein schrub. Bevor jetzt wieder irgendwer in alberne Postmodernekritik abdriftet.
Bei vergewaltigungen, die - sozusagen leider - keine Spuren hinterlassen haben, versagen die Mittel des rechtsstaats. ich weiß da keine Lösung.
Ich bestehe ja auch darauf, daß, wenn jemand behauptet, er sei Opfer von Migrantengewalt geworden, daß das vor Gericht nachgeprüft wird, bevor ich anfange, für das mutmaßliche Opfer Empathie zu empfinden. Es könnte ja sein, daß das mutmaßliche Opfer sich die Tat ausgedacht hat, einfach, weil es was gegen Migranten hat. Mit Hilfe eines beglaubigten Opferstatus kann man sich dann so schön öffentlich in Szene setzen und herrlich dem Haß auf seine Feinde frönen. Die Schnorren, die H. M. Broder anführt, glaube ich ja deshalb auch nicht unbesehen. Es wäre ja noch schöner, wenn irgendwelche Moslemhasser mir befehlen könnten, mich ihrem Verfolgungswahn und Ressentiment anzuschließen. Gleiches gilt für Maskulisten und Feministen und Anhänger noch anderer Weltanschauungsgemeinschaften mit ausgeprägten Feindbildern.
Etwas abgewinnen kann ich Bersarins Bemerkungen: Die Dunkelziffern von Falschanschuldigungen und Vergewaltigungen dürften sehr hoch sein. Deshalb kann man deren Häufigkeit auch nicht vergleichen. Außerdem ist die Strafjustiz unzuständig. Das, was ihr von ihr fordert, kann sie unmöglich leisten.
Zu erklären, was Vergewaltigung sei, könnte allein das Opfer bestimmen. Wenn es meint, es hätte eine Vergewaltigung gegeben, dann sei das so. Die Aussage des Opfers müßte dann vom Gericht so übernommen werden. Denn der Begriff der Vergewaltigung sei ja dadurch bestimmt, daß damit nicht-einvernehmlicher Sex gemeint sei. Einvernehmlicher Sex ist nicht strafbar, nicht-einvernehmlicher Sex ist Vergewaltigung und ein Kapitalverbrechen. Alles hängt also vom Einvernehmen ab. Und das ist eine rein-subjektive Einschätzung der Frau. Einschätzungen lassen sich nicht forensisch überprüfen. Forensische Überprüfungen führten nur zu überflüssigen Qualen des Opfers, weil es die traumatischen Erlebnisse ein zweites Mal durchmachen müßte, und die auch zu keinen verwertbaren Ergebnissen führen können, weil sie den Willen der Frau nicht beweisen. Falschbezichtigungen dagegen gibt es nicht, naja so selten, daß man das praktisch vernachlässigen kann. Auf dieser Grundlage wäre Kachelmann schuldig zu sprechen gewesen sein, denn der Sex wurde ja nie bestritten. Und hätte es die Definitionsmacht im Prozeß gegeben, dann hätte sich das Opfer auch seine Lügen ersparen können.
So ungefähr geht die Argumentation in o.g. Quelle. Auf dieser Grundlage erhebt sich dann der beklagte Lärm im WWW.
Ich habe oben ja eine Quelle angegeben, wo diese Meinung im Zusammenhang vertreten wird. Das dürfte keine Außenseiter-Position sein. In Diskussionen wollen ja feministische Vertreter andauernd Dinge nie so gemeint und gesagt haben.
Der entscheidende Teil der Aussage des Richters liegt wohl beim Wort "objektivierbar". Ich habe keine Vorstellung, wie ein objektivierbares "Nein" aussehen könnte.
Zu meinen unerbetenen "Tipps": Also, ich habe da noch mal recherchiert. Statistisch läßt sich sagen, dass bei sexuell motivierten Angriffen häufig der gute alte Satz "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt" gilt - aber leider nicht immer. manchmal gilt auch: "Kooperieren" (sorry für das böse Wort. Aber die Viktimologie verwendet solche Begriffe eben wertfrei im weberschen Sinn.) Primärziel muss sein: Überleben. Sekundärziel: das Schwein ausm Verkehr ziehen. Anbei: Was ich über die Augen als Angriffsziel sagte stimmt schon: Der Seh-Sinn ist unser wichtigster Sinn, ein entschlossener Gegenangriff auf den Seh-Sinn nimmt dem Angreifer im wahrsten Sinne augenblicklich seine Sicherheit. Kampfsporterfahrene werden noch andere, ggfls bessere Möglichkeiten kennen. Aber ich erinnere auch an das, was mir damals in meiner Jugend (so verkündt´ der Ü40-Opa jetzt mal, sich im Sessel zurücklehnend) mein Judo- und Karatelehrer sagte (es war Judo, er war aber auch Karate-Ka und hat karateelemente eingebaut), nachdem wir einen Abend lang "Abwehr eines Messerangriffs von oben" geübt haben: Wir standen nach Abschluß des Trainings in Gruppe um ihn rum.
"So, das haben wir jetzt also durchgenommen. Was also tue ich, wenn ich mit einem Messer angegriffen werde? Bitteschön, was sagst Du!"
Kollege fängt an. "Also, ich weise seinen Arm so-und-so ab..."
"QUATSCH! Umdrehen, weglaufen, um Hilfe rufen! Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass Ihr nach einem Abend fitt genug seid, um so einen Angriff abzuwehren mit Euren 12, 13, 14 jahren!"
Tanja Graeff, ersichtlich Opfer eines Sexualmordes, hat Kick-Boxen gemacht. Scheisse...
an netbitch habe ich die Bitte, meinen oben geschilderten fall wegzukürzen. In meiner heimat könnten allzu viele erkennen, über wen ich da rede. Die damit verbundene These halte ich allerdings aufrecht: Körperliche vergewaltigung = da gibt es keine "Eigenanteile". Bei (physischer oder psychischer) gewalt darunter aber sehr wohl. beispiel: Eine Frau, die sich, Gottodernietzsche seis geklagt, jahrelang von Männe eine semmeln lässt. Sie tut mir leid, aber gewisse Eigenanteile - aus falsch verstandener Loyalität - kann ich da in psychologischer Hinsicht nicht absprechen, leider. Und sollte hier eine Frau, die es betrifft, mitlesen: Herrje, zeig den Wichser doch endlich an, mistnochmal!
Viktimologisch gibt es übrigens immer "Eigenanteile" des Opfers, wobei die Viktimologie diese "Eigenanteile" eben NICHT als moralischen Vorwurf versteht. Der Täter ist der Täter und punkt, period! Wenn die Viktimologie sagt, die attraktive 24jährige Frau habe sich in eine viktimogene Situation begeben, als sie um 2 Uhr nachts einsam, ohne Pfefferspray, ohne Nahkampfausbildung, im Park spazieren ging, so sagt die Viktimologie eben NICHT: Selba schuuld! Es war ihr gottverdammtes Recht, um 2 Uhr nachts allein spazieren zu gehen - dieses Recht ist stark zu machen. Wer hier daherlallt, sie sei selber Schuld, dem ist zumindest virtuell eine zu ballern. Ums mal auf ne Alltagssituation runterzubrechen: man darf mir mein Rad auch dann nicht klauen, wenn ich mal vergessen haben sollte, es abzuschließen. Aber viktimologisch habe ich mich durchs nicht-abschließen eben in eine sog. viktimogene Situation begeben. (Mir sind hier in Hamburg in den letzten 24 jahren 5 Räder geklaut worden...alle waren abgeschlossen ;-) Fahrraddiebstahl ist asozial!!!). Die Viktimologie will einfach dabei helfen, dass wir das Phänomen Verbrechen verstehen. ich gkaube, der fast völlige Zusammenbruch der Kommunikation zwischen uns macht sich genau hier fest.