genova68 - 13. Mär, 10:08

Eine Paralleldebatte, bei der die Ursprungsdebatte von der Existenz der zweiten nichts weiß, halte ich für dämlich, rein informationstechnisch. Ich bin nur aus Zufall zwei Wochen später hier reingestolpert, weil ich mal in meinen Referrers geblättert habe. Aber egal.

Vielleicht gibt es in der Debatte irgendwelche grundlegenden Missverständisse. Aber auch solch klugen Leute wie che begreifen das Problem nicht und verweisen immer wieder auf Elitediskussionen zum Thema, wo ich generelle Aufarbeitung vermisse. Die Diskussion mit dem Vorzeichen Nationalsozialismus möchte ich mal erleben. Die Nazi-Zeit ist also aufgearbeitet, wenn vor dreißig Jahren zwei Intellektuelle darüber mal gesprochen haben.

Ihr seid alle viel zu wenig selbstkritisch, eitle Linke, die ihr Projekt vor sich hertragen. Versiert in der Kritik des politischen Gegners, aber zu Eigenkritik in politischer Sache nicht fähig. Das bedeutet natürlich nicht, dass man nicht den linken Nachbarn zum Todfeind erklären kann (Beispiel R. Kurz), aber eine generelle selbstreflexive Kritik kommt euch nicht in die Tüte. Aber immer schön Adorno hochhalten. Eigentlich unfassbar.

netbitch - 13. Mär, 12:12

Aber die Aufarbeitung findet doch längst statt

Wurde alles schon gesagt, dennoch: Die Gauck-Birthler-Behörde macht seit 20 Jahren nichts Anderes als Aufarbeitung des DDR-Unrechts. Das Thema gehört längst zum Curriculum des Schulunterrichts. In Frankreich war das Schwarzbuch des Kommunismus in den Neunzigern ein Bestseller, der sich millionenfach verkaufte. Was für Eigenkritik? Die Linke, in der ich mal aktiv war, engagierte sich für die Rechte von AsylbewerberInnen, war radikalfeministisch (Vergewaltigern und Frauenbelästigern ging es durchaus körperlich an den Kragen), gegen Militarismus und Atomkraftwerke und vor allem gegen Nazis. Der Ostblocksozialismus war nie unser Thema, die Spartaken, als es sie noch gab, ein Gegner. @Selbstkritik: Du hättest mal Plena erleben sollten, wo Leute öffentlich weinten und die den Charakter szeneöffentlicher Gruppenpsychotherapie hatten. Nicht selbstkritisch, tststs, ich würde ja eher sagen, selbstkritisch über die Grenzen der Selbstzermürbung hinaus, aber eben nicht in diesem von Dir genannten Punkt, der mit uns selbst einfach nichts zu tun hat.

@Elitediskussionen: Komische Elite, die politisch völlig marginalisiert ist und sich dispers aus Studierenden, Dauerarbeitslosen und AsylbewerberInnen zusammensetzte.
che2001 - 13. Mär, 13:51

Ganz recht. Ich bin ja nun schon ein wirklich alter Hase, aber als ich anfing, mich ernsthaft links zu engagieren (der Kanzler hieß noch Schmidt), da hatte von meinen GenossInnen jedenfalls Lenins "Was tun?" oder "Salat und Revolution" niemand mehr gelesen. Erich Fromms "Die Kunst des Liebens" und "Haben oder Sein", Mitscherlichs "Die Unbewohnbarkeit unserer Städte", Jungks "Der Atomstaat" und Merylin Frenchs "Jenseits der Macht" sowie der Hite-Report und Werke wie "Zen oder die Kunst, ein Motorrad zu warten", das waren unsere Klassiker, nicht Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao, sondern eher Marx, Luxemburg, Adorno, MalcolmX, Angela Davis und (die junge) Alice Schwarzer. Und dann las man Bakunin, Kropotkin und Arschinow. Ich kenne meinen Marx natürlich, aber damit war ich doch schon eine Ausnahme. Und als es Mitte der Achtziger wieder anging, sich mit dem Kapitalismus grundsätzlich auseinanderzusetzen, so aus einer Perspektive, die den Kapitalismus in der Offensive sah und nach Wegen der Sabotage, nicht der Systemüberwindung suchte und Entwicklungspolitik z.B. als die gezielte Zerstörung von Subsistenzstrukturen zur Erzeugung von Bevölkerungsmobilität via Verelendung begriff und dagegen eine Perspektive des Widerstands suchte (Neuer Antiimperialismus). Da hatten wir mehr mit brasilianischen Landbesetzern und ägyptischen Bazarstürmern als mit UDSSR und Co zu tun.
workingclasshero - 13. Mär, 23:13

Na ja, was Genova unter links versteht ist das historische Projekt der marxistisch-leninistischen Arbeiterbewegung mit der UDSSR als role model. Was wir meinen ist das, was gemeinhin Neue Soziale Bewegungen oder Alternativszene genannt wird, unter Ausschluss der grünen Partei in ihrer heutigen Form und unter Einbeziehung der Autonomen und von Nicht-moskautreuen Befreiungsbewegungen im Trikont und z.B. den Black Panthers. Eurokommunisten und Blockfreie kleben da irgendwie zwischen. Da können wir lange um den kalt gewordenen Brei herum reden, es wird sich keine Einigkeit erzielen lassen. Diese für mich moralinsaure Forderung, wir müssten uns selbstkritisch mit Stalinismus oder dem Verhältnis zu Kuba auseinandersetzen läuft dann darauf hinaus, wir hätten mit den Bolschewikennnachfolgern aber immer noch zu tun. Hatten z.B. Anarchos das jemals? Die haben unsere historischen Vorläufer doch erschossen. Der Vergleich mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ist auch wenig hilfreich. Konsequent zu Ende gedacht hieße das, die CDU und FDP müsste "selbstkritisch-reflektierend" eine Debatte über den Nationalsozialismus führen - waren ja deren historische Vorläufer, die teilweise den Ermächtigungsgesetzen zustimmten, und Leute wie Globke und Oberländer machten später in der CDU Karriere. Dieser ganze sozialrevolutionäre Ansatz, den Che da umreisst richtet sich gegen die positivistisch-modernisierungsmäßige Moderne an sich, von der der Sowjetsozialismus ebenso ein Teil war wie es die kapitalistische Weltordnung noch immer ist. Da können wir dann zurückgehen zu den Grundrissen oder auch an Bakunin anknüpfen oder feministische Gesellschaftskritik neu ergründen, nur: Das hat alles mit der leninistischen Linken nichts zu tun.

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