11
Jan
2012

Jahresrückblick

Dieses Jahr hatte es ja in sich. Es begann mit einer Revolution in Ägypten, die noch immer anhält, und endete mit schweren Aufständen und Massakern in Syrien. Dazwischen: Jemen, Bahrain, Jordanien, Libyen. Und kein Ende in Sicht….

Auch dem deutschen Präsidenten wurde schon mit Schuhen gewunken.


//shiftingreality.wordpress.com/2012/01/06/jahresruckblick

Dieser Jahresrückblick hier wirft ein interessantes Licht auf ein Stück Bloggeschichte. Also einerseits die Geschichte des sehr interessanten und lesenswerten Blogs Shifting Reality, insbesondere die des hochspannenden Projekts, das sich der Alte Bolschewik da vorgenommen hat und andererseits die eines Konflikts, der zum Krach zwischen Momorulez auf der einen und Che sowie meiner Wenigkeit, Workingclasshero und Alter Bolschewik auf der anderen Seite führte. In dieser Angelegenheit sehe ich die Dinge ähnlich wie Alter Bolschewik es dargestellt hat, hinzu kommt mein eigenes spezielles Interesse. Bei Momorulez habe ich das Gefühl, er nimmt seine BlogdiskussionspartnerInnen gar nicht als richtige Individuen wahr, sondern eher als Platzhalter für gesellschaftliche Machtverhältnisse bzw. vielleicht auch im Sinne der Gestalttherapien als reduzierte Wahrnehmung der Anderen, bei dem nur entweder - oder doch nicht sowohl - als auch möglich ist und eine Vorgeschichte der Hier-und-Jetzt-Situation ausgeblendet wird, aber nicht als Menschen mit eigener Geschichte, eigenen Bedürfnissen und eigenen Interessen. Dazu kommt, dass er permanent bei den Beiträgen anderer Leute, Alter Bolschewik hatte das sehr schön herausgearbeitet, eine Story hinter der Story sucht, die mit dem eigentlich Gesagten überhaupt nichts zu tun hat. Da wird dann aus der Aussage des Nörglers, dass schwarzafrikanische Bürgerkriegsflüchtlinge weniger Artikulationsmöglichkeiten hätten als afrodeutsche Kulturschaffende die Unterstellung, PoCs und Frauen hätten keine Wirtschaftskompetenz, was wiederum Grundlage heteroweißer Kritik an black history und critical whiteness sei . Um so viele Ecken herum kann ich gar nicht denken, um etwas derart misszuverstehen. Der Beitrag vom Che zum Blog genderverrückt, für das er um Sympathie warb, aber relativierend etwas vom Scheitern der eigenen Männergruppe schrub wurde dann als Aufruf, sich nicht mehr kritisch mit Genderfragen zu befassen missverstanden - eigentlich ging es darum, dass die dollsten Ansätze nichts wert sind, wenn sie von den falschen Leuten umgesetzt werden. Und da stellte er eine kleinbürgerlich sozialisierte, in sich geschlossene Studiszene als die falschen und eine sozial stark durchwachsene Szene, in der sich u.a. Marginalisierte, insbesondere sozial Schwache und Flüchtlinge organisierten einander als die richtigen Leute gegenüber. Kann nichts Falsches daran finden. So, mit allerdings ein paar Verschiebungen, habe ich das auch erlebt.

//metalust.wordpress.com/page/2/

//che2001.blogger.de/stories/1951150/#1968279

//wortanfall.wordpress.com/2011/12/22/und-nun-diskussion-bei-momorulez/


//wortanfall.wordpress.com/2011/12/11/318/
Mein Hinweis darauf, dass ich in der Frauen-Lesbenszene dann gewisse Absurditäten erlebte verstand er dann wohl als Agitation gegen Lesben. Was ich meinte ist aber etwas völlig Anderes, und langsam nähere ich mich meinem eigentlichen Anliegen.

Gesellschaftliche Normierungen wurden in der linksradikalen Szene wie ich sie erlebte aus wirklich sehr guten Gründen umgedreht. In Plena wurden die Schüchternen und die Stotternden ermutigt zu reden, die Großredner zumindest mitunter ausgebremst. In den feministischen Zusammenhängen, in denen ich mich damals bewegte, galten Lesben als sehr positiv. Einerseits als die konsequenteren Feministinnen, weil sie weniger emotionale Rücksichtnahmen gegenüber Männern haben müssten, andererseits als eine Art von Moralinstanz: Da Heteras nicht in der Position wären, angesichts der gesellschaftlichen Machtverhältnisse Lesben zu kritisieren und andererseits Männer feministische Frauen gar nicht zu kritisieren hätten ergab sich das so. Wenn das Frauen-Lesben-Zentrum eine Resolution verfasste (um Mistverständnisse zu vermeiden: Ich war zeitweise dabei) konnte die kaum noch kritisiert werden. Meistens waren die inhaltlich ja auch gut und sehr durchdacht. Die Struktur hatte aber ihre Haken und Ösen. Es gab wirklich so eine Art Marginalisiertenhiarchie, z.B. meinte ein FrauenLesbenplenum zeitweise auch für die Behinderten zu sprechen, weil die ja noch marginalisierter waren. Mein Hinweis, dass Behinderte, die sich organisierten sich selber Krüppel nennen würden und Okkupation ihrer Interessen durch Andere sich verbitten würden wurde damit beantwortet, dass ich das nicht richtig verstehe und es hier um Symbolik ginge. Aha, Symbolpolitik von Leuten, die sonst immer nur von Politik in eigener Person und Kampf gegen Paternalisierung reden. Da liegt die Crux: Eine an Autonomie orientierte Szene verhielt sich immer wieder ziemlich heteronom, den eigenen Ansprüchen stellte die Adaption an gesellschaftliche Dominanzstrukturen ein Bein. Und ich als heterosexuelle bedingt sadomasochistische Feministin falle da völlig zwischendurch. Die Schutz- und Fluchträume die wir da aufgebaut hatten um Marginalisierten Stimmen zu geben will ich überhaupt nicht in Frage stellen, eher ausbauen. Aber die damit verbundene rigide Moral, die gerade auch bezüglich lustvoller sexueller Praktiken neue Verbotsschilder aufstellt finde ich zum Kotzen.

Und die radikale Linke muss dieses Dilemma, das es wenn auch gegenüber damals sehr abgeschwächt immer noch gibt überwinden können. Da hilft ein schrilles Gekreische, das die Entwicklung und Ausbreitung von Gedankengängen blockiert gar nichts. Lade ausdrücklich viele Leute ein, darüber zu diskutieren. Und was das Alles mit der Klassenfrage zu tun hat.

Persönlich: Ich war schon immer ein schnelles Mädchen, im letzten Jahr wurde ich noch schneller. Neben das Sportwagenfahren und Wildwasserpaddeln trat noch ein neues Hobby, das Motorradfahren. Habe ich ja schon länger gemacht, aber 2011 intensivst. Dann erwischte es mich: Ich hatte einen Unfall, wo ich in der Luft schwebend schon dachte, jetzt wird mein Organspenderinnenausweis eingelöst. Zum Glück nicht. Göttin Eris wusste wohl, dass ich öfter „Callisti!“ genannt wurde und rettete mich.

Meine liebsten Stilblüten aus dem letzten Jahr: Mohrenlampe, Gendertröten, Bafögschwuchteln, Politautisten, totvögeln
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Erlebnisse einer kritischen Hedonistin

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