25
Feb
2009

Die Ökologie als Kommunismus- und Religionsersatz der Linken

Da hat Rayson ja mal wieder ein Fass geöffnet! Einerseits stimme ich ihm ja zu: Ökologische Reglementierung der Wirtschaftsweise, von Dosenpfand über Katalysatoren und Partikelfiltern bis zur Vorschreibung von Wärmedämmung und alternativen Energiesystemen im Hausbau wirkt lächerlich, wenn das nur in der EU und nicht im Weltmaßstab passiert. Und ob wir die Klimaerwärmung noch stoppen können, ob wir sie überhaupt noch stoppen könnten, wenn das Alles im Weltmaßstab geschähe ist zweifelhaft. Das heißt für mich in der Konsequenz aber: Es passiert viel zu wenig. So wenig, dass wir uns vielleicht mit unserem Untergang abfinden oder über Space Migration nachdenken sollten. Was da aber stattdessen im Kommentarbereich (sollte ich sagen, in der Fankurve?) abgeht ist aber etwas ganz Anderes. Das geht eher in die Richtung, dass Öko-Auflagen Produktionshemmnisse seien und daher abgeschafft gehören, Kapitalist will halt ungehemmt ausbeuten, scheißegal, was aus der Welt wird, ein paar Jahrzehnte geht es ja vielleicht noch gut, was geht uns das klägliche Ende nachfolgender Generationen an. Dann sollten die das aber so auch sagen, und sich keine sozialistischen Diktaturen, die es nicht mehr gibt und mit Umweltfragen nie etwas zu tun hatten herbeifantasieren. Feste, Junx, macht nur weiter so, ihr bekommt schon alles kaputt!

Male Chauvinist Pigs haben es schon immer verstanden, die Welt zu regieren, smash them down!


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textexter - 26. Feb, 09:42

Ach Bitchie,

da stehen Sie auf verlorenem Posten hoch oben auf Wilhelmshöhe. "Sozial ist, was Arbeitsplätze schafft", hat das Murkel gesagt, bevor es das schwächste Kanzler wurde, was Deutschland je hatte. Erst keroinisierte sie mit dem dicken Gabriel das vor Jahrhunderten grüne Grönland und nun wendete sie eben wieder den Hals. Darin hat sie große Erfahrung. Wenn jetzt noch Schwester Welle das Dreamteam komplettiert, gibts kein Halten mehr. "Viva la Dreck. Schafft Arbeitsplätze". In diesem Sinne ein dreifach donnernd "Kassel-Calden. Braucht Ihr wirklich ein Flughäfelchen für 114 Mio.?

netbitch - 26. Feb, 10:23

Nö, brauchen wir nicht. Als Nächstes vielleicht noch einer in Göttingen und einer in Eschwege?
Der Witz ist aber der, dass für die Junx da oben das Murkel trotz konservativer Ansichten strukturell irgendwo links und viel zu ökostalinistisch ist. Dieses Sektendenken verschlägt mir immer aufs Neue den Atem.
workingclasshero - 26. Feb, 14:54

Vermute mal, dass so einige der Kommentatoren dort im realen Leben ziemlich versprengte und vereinsamte Nerds sind, die ihre politischen Ansichten tatsächlich aus dem Internet generieren. Die Gummersbach-Fahrer sind ja verhältnismäßig moderat, die extremen Positionen kommen ja immer nur aus der Besucherkurve. Das hat man gerade an dem die Wogen glättenden rayson wieder gesehen.
noergler - 27. Feb, 00:15

Die Sektierer sind unfähig, die einfachsten Zusammenhänge zu begreifen: Umweltschutz ist Kapitalschutz, da die Verwertung die Biosphäre und die Ressourcen braucht. Sozialschutz ist Kapitalschutz, da die Verwertung Ruhe im Land braucht.

Würde deren Wahnsystem Wirklichkeit (in der Finanzwirtschaft wurde es das), dann hätte der Kapitalismus schneller fertig, als einer von denen "Klimahysterie" sagen kann. Auf Grund der Kompatibilität ihrer im Finanzsystem verwirklichten Pawlowreflexe mit dem Armageddon möchten sie diesen peinlichen Punkt aber nicht so gerne anfassen. Daher macht man auf Öko-Debatte.

Dabei kommt dann wieder heraus, dass zu den Dingen, von denen sie auch nichts verstehen, der Staat gehört. Der ist für die ja das ganz große Numinose, ein Rätsel, das sie aufgeregt umflattern. Dabei könnten sie schon angesichts jener Weltregionen, in denen drogenabhängige Kindersoldaten befehligende Warlords die Entstehung blühender Landschaften der industriellen Kapitalverwertung verhindern, von selbst darauf kommen, dass ohne Staat die Konkurrenz der Revenuequellenbesitzer die gesellschaftliche Synthesis und damit die Basis der Verwertung zerreißt.

che2001 - 27. Feb, 11:37

Chapeau, Nörgler, treffender hätte es niemand ausdrücken können! Amüsant ist ja jetzt, wie sie aus der Verwurzelung zahlreicher prominenter Grüner in K-Gruppen wieder die falsche Schlüsse ziehen. Nicht die Tatsache, dass für die 68er Generation nach dem Deutschen Herbst, der als traumatisierendes Ereignis erlebt wurde, "Die Revolution für Erste gelaufen" war (Gerhard Seyfried), man sich von den alten Idealen abwandte und stattdessen versuchte, im Hier und Jetzt die Welt zumindest erträglicher zu machen, was durchaus einen Bruch und nicht eine Kontinuität in der Biografie darstellte, wird gesehen, sondern die Vergangenheit der Leute wird als Fortsetzung einer politischen Linie mit anderen Mitteln dargestellt. Wer erlebt hat, wie sehr Gruppen wie KBW, KB und KPD/ML untereinander zerstritten waren und teilweise sogar mit Knüppeln aufeinander losgingen, weiß, wie unsinnig eine solch Betrachtungsweise ist. Und die Generation der Linken, zu der ich gehöre, hat sich ja schon in bewusster Abgrenzung zur Generation Trittin&Co. entwickelt - Widerstand im Alltag statt Parlamentarismus, direkte statt symbolischer Aktionen, Provokation statt moralisierender Pädagogik, Punk, Metal, Wave statt Ökohippietum, Frauenpower statt exkommunistischer Dauerredner usw. . Und die Linke der Generation Netbitch/Cassandra kannte noch nicht einmal diese Absetzbewegung mehr. Diese Brüche und Widersprüche, die deutlich werden lassen, dass die westdeutsche Linke sich seit den 1970ern ihrem Wesen nach grundlegend verändert hat - und die Grünen gehören für mich seit 1988 nicht mehr dazu - und politisch extrem marginalisiert ist, taugen aber nicht zur Feindbildpflege, die einen starken und einflussreichen Gegner braucht, auch wenn es den in Wirklichkeit gar nicht gibt.
netbitch - 27. Feb, 19:28

noergler, che, das fasst es schon gut zusammen. Ein vollkommen ungehemmter Kapitalismus mit absolut freiem Markt endete bald in einer Art globalem Somalia. Fernerhin ist die Debatte dort absolut statisch, denn die Diskutanten entwickeln sich nicht, sondern wiederholen nur. Abgesehen vielleicht von rayson, boche, stefanolix, david und karsten, denen frau eine gewisse Grundneugier zusprechen kann.
workingclasshero - 27. Feb, 23:41

@Dabei kommt dann wieder heraus, dass zu den Dingen, von denen sie auch nichts verstehen, der Staat gehört. Der ist für die ja das ganz große Numinose, ein Rätsel, das sie aufgeregt umflattern.

Ja, ganz brecht, wenn es darum geht, dass wir keine neuen Herren brauchen, sondern keine, sehen sie nicht die Kapitalisten als Herren, sondern den Staat, der doch deren Interessen erst organisiert. Wenn wir (mit wir meine ich die nichtparteiförmige Linke, zu der Du, Noergler, wohl nicht gehörst, der ich Dich aber wohl bei allem Respekt zu Deinen originellen Meinungen als zumindest relativ nahestehend einordnen würde) gegen "Staat und Kapital" den Kampf führen (oder zumindest führen wollen, die Zeiten, die stinken ja), dann sehen die schon zwischen Staat und Kapital einen Riesengegensatz. Dabei organisierte der deutsche Staat mit HartzIV gerade die Ausbeutungsinteressen des deutschen Kapitals hervorragend. Dafür müssten diese Kapitalanbeter eigentlich dankbar sein. Gäbe es einen staatsfreien Kapitalismus, würden Konzerne Privatarmeen aufbauen, die um Rohstoffe kämpfen, und die arbeitende Klasse Milizen bilden, die Kapitalisten an Laternen hängen. Det wollen wa alle nich, wa?
noergler - 28. Feb, 00:56

" ... würden Konzerne Privatarmeen aufbauen, die um Rohstoffe kämpfen"
Aber das wollen sie nicht, weil sich dann a) selber die Finger dreckig machen müßten, und b) die Kosten dafür nicht mehr dem Steuerzahler aufdrücken könnten.

"Kapitalisten an Laternen ..." – Versuch' mal, an diesen gebogenen Dingern einen aufzuhängen. Da hält doch kein Seil! Wir haben hier schon mal ein Probehängen mit dem Lidl-Marktleiter gemacht. Sinnlos: Der knallte schneller runter, als wir ihn oben hatten.

workingclasshero - 28. Feb, 15:53

Lidl-Marktleiter sind dafür aber auch viel zu glitschig. Hast Du schon mal einen gehängten Frosch gesehen?
Cassandra_2008 - 28. Feb, 17:46

dazu bleibt noch eins zu sagen:
im Sozialismus wird erst verstaaatlicht, dann ruiniert. Im Kapitalismus wird erst ruiniert, dann verstaatlicht.

Und wer trägt die Kosten (denn Geld wächst leider nicht auf Bäumen)? Jeder, der Steuern zahlt. Wer hat den Profit? Die Kerle, die den Laden in den Sand gesetzt haben.

Auf schlau nennt man das dann die Vergesellschaftung des Risikos und die Individualisierung der Gewinne. Sorry, da hakt dann mein Verstand, das kann nicht logisch sein.

Aber wenn schon die Kosten übernommen werden will ich zumindest was dafür haben: Anteile an den Firmen zB. Oder die zahlen zumindest zurück, und zwar mit Zinsen. Dann müssen wir eventuell nicht die nächsten 60 Jahre an dem Spass zurückzahlen sondern haben mal Geld über. Ein Staat, der Geld hat... unvorstellbar! Dann könnte man ja mal die Sektsteuer abschaffen- die Flotte ist 2 Mal gesunken :)

Aber eigentlich find' ich, die Jungs&Mädels könnten mit ihrem Privatvermögen haften :)

che2001 - 28. Feb, 18:04

Da kann ich jeden Satz von unterschreiben.
netbitch - 28. Feb, 18:42

Das ist logisch

Das ist stringent logisch. Es folgt der Logik Darwins und dem Prinzip "Homo hominem lupus est". Nur muss die Gesellschaft sich das ja eigentlich nicht gefallen lassen. Aus dem Cassandra-Kommentar ließe sich ja sogar ein politischer Forderungskatalog stricken. Vielleicht mal den gerade mobilisierten ver.dis und sonstigen Gewernern aufs Auge drücken?
Cassandra_2008 - 1. Mär, 12:58

Soll ich 'ne email an ver.di schreiben? Oder denen lieber persönlich auf-die-Nerven-fallen?

Spass beiseite: ich bin mittlerweile pessimistisch was das Vermitteln solcher Forderungskataloge angeht. Politfunktionäre (und dazu rechne ich ver-dis jetzt mal) können toll ihre Meinung vertreten, aber zuhören ist oft eher mangelhaft.

Ich finde es innerhalb des kapitalistischen Systems nur konsequent. Das funktioniert nun mal über "ich geb' dir Geld, du gibst mir Ware", hier also Anteile, denn mit genug Opeln für ein paar Milliarden kann keiner was anfangen. Das hat auch nix mit "Enteignen" zu tun.
Und "Verantwortung" heisst, dass man für den eigenen Mist geradesteht.

Ich halte das für die altmodische Lösung- und bin dafür! Juchhe, ich bin mal wieder konservativ :)
netbitch - 1. Mär, 17:59

Ich meinte damit auch nicht, ver.di einen Brief zu schreiben, sondern es auf einer Kundgebung, Demo oder bei einem Streik mit großem Getöse als Forderungskatalog zu verkündigen. Mal sehen...
Cassandra_2008 - 2. Mär, 08:24

Das muss dann (leider) jemand anderes machen, bei mir sehe ich weder die Zeit noch die Connections dafür.
netbitch - 2. Mär, 16:38

Tja, wie heißt es so schön: Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Attentat.
Das jetzt natürlich nicht wörtlich zu nehmen, aber Zeit für geschwungene Reden, Forderungen und Aktionen kommt beschtümmt.
Die Herrschenden haben übrigens Angst davor. Auf EU-Ebene läuft die vorbeugende Aufstandsbekämpfung wie verrückt.
Aurisa - 2. Mär, 19:25

Also wenn ich mir so anschaue, was hierzulande... angeblich zur Terrorbekämpfung... alles an Freiheitseinschränkungen gemacht wird derzeit...
Die da oben müssen ganz schön viel Angst vor 'ihrem' Volk haben...
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