27
Feb
2010

Von Marx zu Stalin und warum Leute, die eine andere Meinung haben als man selbst tendenziell Stalinisten sind, ohne es selber zu wissen

Selten größeren Schwurbel gelesen als das hier, und das von jemandem, dessen Blogeinträge ich sonst schätze:

//exportabel.wordpress.com/2010/02/24/linkspartei-stalinismus-durch-die-hintertur

Mit welcher Beharrlichkeit hier auf einem Reduktionismus bestanden wird, der gefälligst nur die Meinung von Hinz und Kunz vonner Straße über Sozialismus, Kommunismus and so on zur Kenntnis zu nehmen habe ist beachtlich. Insbesondere, als dass ja Scharen von Kommentatoren gleich auf zwei Blogs dem mit wirklich guten Argumenten widersprechen, die aber offensichlich nicht zur Kenntnis genommen werden. Verbohrte Männer halt....

Trackback URL:
//netbitch1.twoday.net/stories/6210325/modTrackback

workingclasshero - 28. Feb, 16:28

Die Diskussion scheint da drüben stehengeblieben zu sein, wie eingefroren. Kommt da noch was?

che2001 - 13. Mär, 23:49

Proletarier aller Länder, tuet Buße!
genova68 - 12. Mär, 15:35

Netbitch,

ich finde es komisch, wenn Artikel auf anderen Seiten diskutiert und kritisiert werden. Warum nicht direkt dort, wo der Artikel steht? Und dann zu fragen, ob es noch weitergeht, naja, zweite Halbzeit, oder was?

Aber als Stalinisten habe ich niemanden bezeichnet, der eine andere Meinung hat, oder?

netbitch - 12. Mär, 18:54

Das, mein Lieber, ist jetzt aber in die eigene Kniekehle geschossen. Du selbst kritisierst bei Dir ja, auch wenn das nur einen kleinen Teil Deines Postings ausmacht, die Debatte bei Momorules, die Du wiederum auf Deinem Blog verlinkt hast. Und ich finde auch nichts Verwerfliches daran, auf dem eigenen Blog anderswo geführte Debatten zu verlinken und zu kommentieren. Das machen Momorules, Che, die Bissigen Liberalen und das Antibürokratieteam auch, und nicht nur ein Mal. Ich habe auch nicht behauptet, dass Du andere als Stalinisten bezeichnest, das war Ironie. Eine unausgesprochene oder wabernd-vage Vorwurfshaltung nimmst Du dort aber schon ein, wenn nicht sein kann, was nicht sein darf, oder Linke aus gutem Grunde angebliche Marx-Stalin-Zusammenhänge nicht thematisieren usw.
genova68 - 13. Mär, 10:08

Eine Paralleldebatte, bei der die Ursprungsdebatte von der Existenz der zweiten nichts weiß, halte ich für dämlich, rein informationstechnisch. Ich bin nur aus Zufall zwei Wochen später hier reingestolpert, weil ich mal in meinen Referrers geblättert habe. Aber egal.

Vielleicht gibt es in der Debatte irgendwelche grundlegenden Missverständisse. Aber auch solch klugen Leute wie che begreifen das Problem nicht und verweisen immer wieder auf Elitediskussionen zum Thema, wo ich generelle Aufarbeitung vermisse. Die Diskussion mit dem Vorzeichen Nationalsozialismus möchte ich mal erleben. Die Nazi-Zeit ist also aufgearbeitet, wenn vor dreißig Jahren zwei Intellektuelle darüber mal gesprochen haben.

Ihr seid alle viel zu wenig selbstkritisch, eitle Linke, die ihr Projekt vor sich hertragen. Versiert in der Kritik des politischen Gegners, aber zu Eigenkritik in politischer Sache nicht fähig. Das bedeutet natürlich nicht, dass man nicht den linken Nachbarn zum Todfeind erklären kann (Beispiel R. Kurz), aber eine generelle selbstreflexive Kritik kommt euch nicht in die Tüte. Aber immer schön Adorno hochhalten. Eigentlich unfassbar.

netbitch - 13. Mär, 12:12

Aber die Aufarbeitung findet doch längst statt

Wurde alles schon gesagt, dennoch: Die Gauck-Birthler-Behörde macht seit 20 Jahren nichts Anderes als Aufarbeitung des DDR-Unrechts. Das Thema gehört längst zum Curriculum des Schulunterrichts. In Frankreich war das Schwarzbuch des Kommunismus in den Neunzigern ein Bestseller, der sich millionenfach verkaufte. Was für Eigenkritik? Die Linke, in der ich mal aktiv war, engagierte sich für die Rechte von AsylbewerberInnen, war radikalfeministisch (Vergewaltigern und Frauenbelästigern ging es durchaus körperlich an den Kragen), gegen Militarismus und Atomkraftwerke und vor allem gegen Nazis. Der Ostblocksozialismus war nie unser Thema, die Spartaken, als es sie noch gab, ein Gegner. @Selbstkritik: Du hättest mal Plena erleben sollten, wo Leute öffentlich weinten und die den Charakter szeneöffentlicher Gruppenpsychotherapie hatten. Nicht selbstkritisch, tststs, ich würde ja eher sagen, selbstkritisch über die Grenzen der Selbstzermürbung hinaus, aber eben nicht in diesem von Dir genannten Punkt, der mit uns selbst einfach nichts zu tun hat.

@Elitediskussionen: Komische Elite, die politisch völlig marginalisiert ist und sich dispers aus Studierenden, Dauerarbeitslosen und AsylbewerberInnen zusammensetzte.
che2001 - 13. Mär, 13:51

Ganz recht. Ich bin ja nun schon ein wirklich alter Hase, aber als ich anfing, mich ernsthaft links zu engagieren (der Kanzler hieß noch Schmidt), da hatte von meinen GenossInnen jedenfalls Lenins "Was tun?" oder "Salat und Revolution" niemand mehr gelesen. Erich Fromms "Die Kunst des Liebens" und "Haben oder Sein", Mitscherlichs "Die Unbewohnbarkeit unserer Städte", Jungks "Der Atomstaat" und Merylin Frenchs "Jenseits der Macht" sowie der Hite-Report und Werke wie "Zen oder die Kunst, ein Motorrad zu warten", das waren unsere Klassiker, nicht Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao, sondern eher Marx, Luxemburg, Adorno, MalcolmX, Angela Davis und (die junge) Alice Schwarzer. Und dann las man Bakunin, Kropotkin und Arschinow. Ich kenne meinen Marx natürlich, aber damit war ich doch schon eine Ausnahme. Und als es Mitte der Achtziger wieder anging, sich mit dem Kapitalismus grundsätzlich auseinanderzusetzen, so aus einer Perspektive, die den Kapitalismus in der Offensive sah und nach Wegen der Sabotage, nicht der Systemüberwindung suchte und Entwicklungspolitik z.B. als die gezielte Zerstörung von Subsistenzstrukturen zur Erzeugung von Bevölkerungsmobilität via Verelendung begriff und dagegen eine Perspektive des Widerstands suchte (Neuer Antiimperialismus). Da hatten wir mehr mit brasilianischen Landbesetzern und ägyptischen Bazarstürmern als mit UDSSR und Co zu tun.
workingclasshero - 13. Mär, 23:13

Na ja, was Genova unter links versteht ist das historische Projekt der marxistisch-leninistischen Arbeiterbewegung mit der UDSSR als role model. Was wir meinen ist das, was gemeinhin Neue Soziale Bewegungen oder Alternativszene genannt wird, unter Ausschluss der grünen Partei in ihrer heutigen Form und unter Einbeziehung der Autonomen und von Nicht-moskautreuen Befreiungsbewegungen im Trikont und z.B. den Black Panthers. Eurokommunisten und Blockfreie kleben da irgendwie zwischen. Da können wir lange um den kalt gewordenen Brei herum reden, es wird sich keine Einigkeit erzielen lassen. Diese für mich moralinsaure Forderung, wir müssten uns selbstkritisch mit Stalinismus oder dem Verhältnis zu Kuba auseinandersetzen läuft dann darauf hinaus, wir hätten mit den Bolschewikennnachfolgern aber immer noch zu tun. Hatten z.B. Anarchos das jemals? Die haben unsere historischen Vorläufer doch erschossen. Der Vergleich mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ist auch wenig hilfreich. Konsequent zu Ende gedacht hieße das, die CDU und FDP müsste "selbstkritisch-reflektierend" eine Debatte über den Nationalsozialismus führen - waren ja deren historische Vorläufer, die teilweise den Ermächtigungsgesetzen zustimmten, und Leute wie Globke und Oberländer machten später in der CDU Karriere. Dieser ganze sozialrevolutionäre Ansatz, den Che da umreisst richtet sich gegen die positivistisch-modernisierungsmäßige Moderne an sich, von der der Sowjetsozialismus ebenso ein Teil war wie es die kapitalistische Weltordnung noch immer ist. Da können wir dann zurückgehen zu den Grundrissen oder auch an Bakunin anknüpfen oder feministische Gesellschaftskritik neu ergründen, nur: Das hat alles mit der leninistischen Linken nichts zu tun.
genova68 - 14. Mär, 09:24

workingclasshero kommt meinem Standpunkt schon relativ nahe, vielen Dank. Vielleicht drücke ich mich ja immer ungenau aus, eigentlich ist mein Standpunkt doch nicht so schwer zu verstehen: Links ist nicht das, was Ihr aus Bequemlichkeit dafür haltet, nämlich nur die Guten, die mehr oder weniger Splittergruppen sind, die Avantgarde sind, keine Scheiße bauen, reflektiert, selbstkritisch, alles wunderbar. Sondern mein Ausgangspunkt war, wie DIE linke Idee so umstandslos zu einem der größten historischen Desaster führen konnte, und zwar fast 100 Jahre lang, in linkem Namen, in unzähligen Ländern der Welt.

Das historische Projekt der marxistisch-leninistischen Arbeiterbewegung in der UdSSR, ja, aber das war ja so extrem einflussreich weltweit, das war zum größtenteil die Linke, faktisch, ob Euch das passt oder nicht.

Mir geht es also nicht um Euch, sondern um die Welt. Ich bin nach wie vor leicht entsetzt, dass kluge und gebildete Menschen wie Ihr auf diesem Auge so blind sind. Das ist doch auch irgendwie ein positivistischer Ansatz: Was mir entwicklungsmäßig nicht passt, wird abgeschnitten, entsorgt, damit habe ich nichts mehr zu tun. So geht das nicht.

Die AG Cuba Si ist ein schönes Beispiel: Ihr könnt Euch jetzt natürlich sofort von der AG distanzieren und dann auch von der Linkspartei, wenn die sich wiederum nicht von der AG distanzieren. Aber dann steht Ihr alleine da mit Euren Splittergruppen. Es geht hier jedoch nicht um ein avantgardistisches Hobby, sondern um die Masse, um deren Emanzipation, Solidarität, Freiheit etc.

Aber egal, wir müssen da auch nicht weiter drüber diskutieren. Können wir aber natürlich.

che2001 - 14. Mär, 15:45

Da haben wir ja den Casus knacktus

@"Links ist nicht das, was Ihr aus Bequemlichkeit dafür haltet, nämlich nur die Guten, die mehr oder weniger Splittergruppen sind, die Avantgarde sind" ----- Aber doch nicht aus Bequemlichkeit, ich bitte Dich. Ich war auch mit 15 schon links, und zugleich waren die DKPler und Ostblockkommunisten für mich FEINDE. Auch wenn man in der Zeit der Antiatomraketen-Friedensbewegung punktuell am gleichen Strang zog. Und diese sogenannten Splittergruppen haben zwar nie eine Staatsmacht hervorgebracht, sie waren aber sehr wohl eine eigenständige historische Kraft - siehe der Sommer der Anarchie im Spanischen Bürgerkrieg, siehe 68, die Grünen gäbe es ohne diese undogmatische Linke auch nicht, in Mexiko kontrollieren sie einen Bundesstaat, nachdem sie vor 15 Jahren ein paar Regierungshubschrauber abgeschossen haben. Du reduzierst eine politische Kraft, die in den 1980er Jahren rein zahlenmäßig die Mehrheit der Linken in der BRD ausmachte und zurzeit weltweit koordiniert gegen Weltwirtschaftsgipfel mobilisiert zu einer Angelegenheit winzigster Splittergruppen, JUZI-Plena, "zwei Leuten" usw.. Das ist selbst nichts Anderes als die DKP-Brille, nur mit umgekehrten Vorzeichen. So wie die CDUler, die uns "Geh doch nach drüben" nachriefen.
genova68 - 14. Mär, 16:28

Ja, ich werfe dir, Che, nun ja auch wirklich nichts vor, was ich dem Ostblock vorwerfen würde. Ich frage mal so:

Findest du, dass die Linkspartei die von mir aufgeworfenen Fragen ("von Marx zu Stalin") intensiver diskutieren müsste?

Damit du bei diesem Thema jetzt mal deine Person außen vor lässt (die ich interessant finde, aber die mich jetzt mal nicht interessieren soll).

Ich will die vielen linken Gruppen nicht reduzieren, sondern ich sehe die seinerzeit reale Situation, dass schätzungsweise eine Milliarde Menschen oder mehr in dieser Ostblocklogik, inklusive China, "gefangen" waren. Da fallen die Anarchos etc. nicht sonderlich ins Gewicht. Und das bedeutet nicht, sie zu diskreditieren.

che2001 - 14. Mär, 17:10

Ich finde, dass die Fragen von Dir so falsch gestellt wurden, weil es keine Entwicklung gibt, die sich "von Marx zu Stalin" beschlagworten ließe. Ich finde sehr, dass sich die Cuba si-Kampagne und die Teile der Partei Die Linke, die damit zu tun haben oder sympathisieren sich schon sehr fragen lassen müssen, was für ein Regime sie da stützen, wobei ich andererseits auch keinerlei Solidarität mit schweinebuchtgeilen oder mafiösen Exil-Kubanerkreisen gutheißen kann. Soll heißen: klar für Menschenrechte in Cuba, nein zu Militäraufmärschen gegen die Inselrepublik. Klar muss sich die Partei auch unangenehme Fragen zur Stasi- und NVA-Vergangenheit ihrer älteren Mitglieder stellen lassen. Aber das müssen auch andere Leute. Ich kenne zum Beispiel einen geldgierigen Immobilienmakler, der sich richtig freut, dass HartzIV ihm viele billige Bürokräfte und Handlanger am Bau zugespült hat, der die Akademie für Staat und Recht absolviert hat (das war die Hochschule der Stasi). Und weiß von ganzen Netzwerken alter NVA-Offiziere im Westen. Das ist ja der Treppenwitz, den ich mit dem Feindbild Linkspartei bei gewissen Liberalen habe: Die merken gar nicht, dass die Leute mit wirklich übler DDR-Vergangenheit sich manchmal eher bei den eigenen Geschäftspartnern finden lassen als in dieser Partei.



Und dieser unsägliche Leninismus gehört in der Tat aufgearbeitet, wo noch Leute ihr Denken von beeinflussen lassen. Am Besten mit Marx selbst, mit Luxemburg, Korsch, Gramszi und Poulantzas. Und Demirovic, die neomarxistischen Theoretiker aus Exjugoslawien werden ja viel zu selten zur Kenntnis genommen.
netbitch - 14. Mär, 22:48

Kommentar von Momorulez:


Genova hat ja nun eine Diskussion für sich entdeckt, die man normalerweise mit Liberalen führt, also solchen, die die Leitideologie formulieren, die dafür sorgt, dass in afrikanischen Minen Menschen sterben und in China unter Bedingungen produziert und geherrscht wird, dass man sich nur wundern kann, dass genau die gleichen Leute einen Menschenrechtsdiskurs führen. Manchmal, wenn es nicht gerade um Hartz IV geht.

Damit ist man auch mitten im Thema, Genova merkt das aber gar nicht. Warum? Weil, wenn man ihm was über Ideologiekritik erzählt, in elitäre Zirkel verwiesen wird.

Er glaubt vielmehr, eine Frage entdeckt zu haben, die niemand zuvor je stellte:

“Sondern mein Ausgangspunkt war, wie DIE linke Idee so umstandslos zu einem der größten historischen Desaster führen konnte, und zwar fast 100 Jahre lang, in linkem Namen, in unzähligen Ländern der Welt.”

Man kann sich nun den Mund fusselig reden und die Tastatur fransig schreiben, auf diverse Antworten diesbezüglich verweisen, die seit mehr als einem Jahrhundert formuliert werden, ihn über Kronstadt aufklären und massenhaft auf großer Bühne geführte Debatten z.B. in Frankreich zitieren – das nimmt der gar nicht zur Kenntnis, wie auch eigentlich nix, was man schreibt. Das ist alles elitär.

Was für eine Antwort erwartet man aber auf so einen Einwurf:

“Ihr seid alle viel zu wenig selbstkritisch, eitle Linke, die ihr Projekt vor sich hertragen. Versiert in der Kritik des politischen Gegners, aber zu Eigenkritik in politischer Sache nicht fähig. Das bedeutet natürlich nicht, dass man nicht den linken Nachbarn zum Todfeind erklären kann (Beispiel R. Kurz), aber eine generelle selbstreflexive Kritik kommt euch nicht in die Tüte. Aber immer schön Adorno hochhalten. Eigentlich unfassbar.”

Ich meine, was soll man denn da sagen? “Ja, Du hast so recht? Ich bin eitel und geblendet, unfähig zur Selbstkritik, und lese auch nie wieder Adorn0?” Dessen Thema war ja nun gerade, dass man unter Bedingungen des totalen Verblendungszusammenhangs keine linke Programmatik formulieren kann, weil die ins Unheil führen würde, unter Bedingungen der instrumentellen Vernunft umgesetzt, wie man ja bei Stalin gesehen habe.

Oder: “Auch ich trage den Stalinismus in mir und bekämpfe ihn wie das Böse, das von meiner Seele Besitz ergreifen könnte?” Das ist das Motiv der Erbsünde. Ich habe meinerseits nun nicht im Gulag gepeitscht und niemanden dort erschossen. Was denn nun für eine Selbstkritik? “Ich werde nie wieder Marx zitieren?” “Ich bin gegen die Linkspartei”? Ich habe zu der eine eher differenzierte Position, aber das darf ich ja nicht schreiben, weil ich damit das Unheil, das linke Ideen über die Welt brachten, negiere.

Ich stimme dem auch ausdrücklich nicht zu:

“Das historische Projekt der marxistisch-leninistischen Arbeiterbewegung in der UdSSR, ja, aber das war ja so extrem einflussreich weltweit, das war zum größtenteil die Linke, faktisch, ob Euch das passt oder nicht.”

Weil das historisch nicht stimmt, dass NUR das und GRÖßTENTEILS das nun die historisch-reale Linke ausmacht. Alleine die antikolonialen Bestrebungen in Afrika sind wirklich ein Thema für ein ganzes Studium. Verweist man auf die Besserung der Lebensbedingungen der Landbevölkerung auf Kuba, darf man das nicht sagen, weil man ja damit die grausame Verletzung der Menschenrechte dort irgnorieren würde. Es ist ein wenig gewagt, sich wie Genova dann auf Empirie zu berufen – man kann ja auch das eine gut, das andere Scheiße finden.

Man kann freilich auch wie die Liberalen jeden Versuch, die Lebensbedingungen von Menschen zu verbessern, unter Totalitarismus-Verdacht stellen. Klar kann man das, vielleicht stimmt das sogar. Man kann aber nicht Empirie fordern, um dann mit begrifflichen Normativismus zu kontern, wenn jemand empirisch und differenziert antwortet.

Die spezifische Lage in Maos China noch mal ein weiteres Thema, und wenig war grausamer als die dortige Kulturrevoltion, die sich über Elitäres ereiferte. Bitte darauf einlassen und nicht gleich irgendwelche Bekenntnisse fordern, dann kriegt man nämlich nix mit.

Das ist eine der “großen Erzählungen” (Lyotard), die Genova verbreitet, die mit Empirie nun rein gar nix zu tun hat, weil sie den Stalismus ignoriert durch die Problemstellung.

Und wenn man ernst nimmt, was Genova noch schreibt:

“Ihr dann steht Ihr alleine da mit Euren Splittergruppen. Es geht hier jedoch nicht um ein avantgardistisches Hobby, sondern um die Masse, um deren Emanzipation, Solidarität, Freiheit etc.”

dann verstehe ich ja sein Entsetzen darüber, dass diese Ideale von Ulbricht instrumentalisiert wurden. Es ist ja auch so, dass es eine Tradition gibt, die glaubt, man müsse erst im Rahmen einer Diktatur die ökonomischen Verhältnisse ändern, dann würde ein bessseres Bewusstsein bei den Leuten automatisch entstehen. Das meinte ich doch mit der “Temporalisierung mittels Geschichtsphilosophie”, auf die ich ständig sektierisch verwiesen habe. Guckt man wenigstens mal ins “Kommunistische Manifest”, dann kann man auch gut nachvollziehen, wie das passieren konnte. Aber solche Hinweise sind ja elitär, auch wenn das “Kommunistische Manifest” höhere Auflagen als die Bibel hatte, und das “Kommunistische Manifest” ist eben nicht “Das Kapital”, welches für DDR-Veröffentlichungen redigiert wurde.

Solche Binnendifferenzierungen sind allerdings reines Sektierertum und Symptom der mangelnden Selbstkritik.

Abgesehen davon, dass ich wenig Probleme habe, alleine da zu stehen, wird das ja schnell selbstwidersprüchlich, was Genova schreibt – wenn man “Emanzipation, Solidarität, Freiheit usw.” als linke Ideale, Zielvorstellungen etc. begreift, dann war der Stalinismus in seinen Spielarten nicht links, weil er sich an diesen Idealen empirisch nicht orientiert hat und auch nicht zu deren Verwirklichung beigetragen hat.

Oder man lässt die begriffliche Ebene ganz bleiben, dann ist Freiheit, Emanzipation und Solidarität eben nicht links, weil nur Stalin und Castro das waren, und dann vertrete ich von mir aus auch eine glaue FES-Position.

Oder man macht es so wie manche Formen der liberalen Kritik, verzichtet auf alle Ideale, die umzusetzen seien, Hauptsache, der Markt ist entfesselt, schon gar auf Freiheit (die meinen damit ja was anderes als ich, sollten die dann aber auch umbenennen, wenn ich schon glaue FES-Positionen vertrete, oder wie lösen wir das Problem jetzt?), weil die eh nur in den Totalitarismus führe, immer, und lässt weiter Menschen in Koltan-Minen verrecken, damit wir mit dem Handy telefonieren können.

Das schlimme ist ja, dass, wenn ich Genova nun wieder auf eine mehr als ein Jahrhundert währende Diskussion verweise, eigentlich noch länger, in der es genau darum geht, wie man denn Ideale, also Begriffliches, empirisch-real werden lässt oder wieso man das bleiben lassen sollte, wird ja wieder mit dem Elitären gekontert, dabei könnte ich da ein Buch drüber schreiben und habe einige genannt.

Und wieder fragt man sich: Was will der eigentlich?
netbitch - 15. Mär, 23:36

Wenn Anarchos "nichts zählen", dann bedanke ich mich, die bürgerliche und die marxistisch-leninistische Geschichtsschreibung haben die ja auch aus der historischen Erinnerung getilgt, und wir, d.h. die um ihre Emanzipation kämpfenden Frauen (Fußnote: Zu den Anarchas gehöre ich aber auch noch) ja auch - die bürgerliche Frauenbewegung, der Kämpfe um die korrekte Schreibweise mit dem großen I weitaus wichtiger sind als die Forderung nach gleichen Löhnen für gleiche Arbeit am Fließband zähle ich nicht dazu - sind ebenso außen vor. Ich finde es wirklich unerträglich, dass in einem Höchstmaß an Ignoranz alles für irrelevant erklärt wird, was in meinem politischen Leben bisher relevant war. Ohne Orwell und Enzensberger wüsste heute niemand, dass es überhaupt den Versuch der Anarchos gegeben hat, in Katalonien eine basisdemokratisch-sozialistische Ordnung zu errichten - außer in Barcelona, wo das heute noch jedes dritte Kind weiß. Diese Genova-Perspektive ist für mich eine Mißachtung meiner Existenz.


BTW. Und dabei bin ich in feministischen Kreisen noch eine tendenzielle Verräterin, weil ich kokettieren, Männer anbaggern, weibliche Reize zielbewusst benutzen usw. nicht für verwerflich halte und einsetze. Ist das Alles jetzt stalinistisch? Dann nennt mich Stalinowa.
noergler - 16. Mär, 12:03

"Diese Genova-Perspektive ist für mich eine Mißachtung meiner Existenz." Genova hat das aber bereits begründet: "Es geht mir nicht um Euch, sondern um die Welt."
Genova, das Riesenhirn, hat nun mal den globalisiert-universalen Blick. Da müssen wir Froschperspektivler uns ein wenig bescheiden.

che2001 - 18. Mär, 12:13

Es geht der Welt aber nicht um Genova, sondern um sich, und deshalb werde ich nicht aufhören, Bestandteile der Realität außerhalb der Genova-Perspektive zu erzählen.
netbitch - 22. Mär, 19:33

Auch die Geschichte des Universums wird dereinst ohne besondere Berücksichtigung des Göttinger Ostviertels oder der Bremer Bürgerweide geschrieben werden müssen. Ach Nestroy, wärst Du doch noch unter uns, Du fändest herrliches Material!
workingclasshero - 23. Mär, 00:05

Der sagt ja selber, dass er Defizite hätte, lasst also Milde walten (nö, das ist jetzt kein Bezug auf einen Göttinger Polizeichef). Aber dieser Generalhinweis auf die leninistisch-stalinistische Gesamtlinie der Linken an sich ist trotzdem merkwürdig. Die sogenannte Neue Linke, längst historisch, begann ja in den 60ern mit der Kritik an der Moskauer Linie und der Rückbesinnung auf Marx himself, die Anarchisten und Reich und die Frankfurter Schule. Oder auch Bloch und Mitscherlich, Fromm. Mir kommt das vor wie eine Nichtwahrnehmung von allen linken Diskussionen der letzten 40Jahre.
genova68 - 25. Mär, 09:22

Ja, netbitch, dein tolles Baskenland (oder war es Barcelona-Projekt). Das kennt vielleicht noch jedes dritte Kind, aber es hat nie funktioniert. Im Gegensatz zum Stalinismus.

Woher kommt eigentlich eure Egozentrik? Stellt euch vor, es gibt Blogbeiträge, die sich nicht mit euch beschäftigen, sondern mit irgendwas anderem. Zum Beispiel mit Stalinismus.

Ich habe mittlerweile die ganz reale Befürchtung, dass ihr das nicht mehr kapieren werden. Zu festgefahren. Sehr schade.

Nebenbei: Dass man hier beim Kommentarschreiben den Beitrag nicht mehr sieht, ist große Scheiße. Bitte ändern. Danke.

netbitch - 25. Mär, 17:57

Was heißt denn hier Egozentrik? Wir haben uns ja gar nicht mit uns selbst beschäftigt (sonst stünde hier jetzt Marketingfrau aus Kassel, geboren in Buxtehude), sondern mit der Linken, in deren Traditionen wir selber stehen, und das ist nunmal nicht Stalin. Und es handelt sich dabei immerhin, so gesamtgesehen, um zweistellige Millionenzahlen von Menschen, was für Dich da so ein Randgruppenphänomen darstellt. Anders formuliert: Aus Deiner Logik ergäbe sich, SPD, Grüne, die Schwarzen in den USA, das American Indian Movement und die Landbesitzerbewegung in Brasilien, aber auch die indischen Bauernrebellen müssten jetzt mal in sich gehen und selbstkritisch über Stalinismus diskutieren. Siehst Du die Schräglage?
genova68 - 26. Mär, 09:58

Ihr habt euch in den vergangenen Wochen redlich Mühe gegeben, meine Fragen nach Aufarbeitung zu beantworten und seid auf ganzer Linie gescheitert. Es hat in den verganenen 20 Jahren keine Aufarbeitung gegeben, null, ihr könnt mir keinen einzigen Fall außerhalb des Juzis nennen. Beim Kritisieren von fehlender oder einseitiger Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit seid ihr bestimmt ganz laut, wenn es um Stalin geht, pocht ihr lieber auf euer elitäres Wissen. Jemand, der hier Ernsthaftigkeit fordert, ist ein Nestbeschmutzer.
Außer Hinweisen auf das Juzi, das Baskenland und ähnliches ist nichts gekommen, so sehr ihr euch auch bemüht habt. Von mir aus können wir das Thema schließen.

Netbitch, da ich schon wieder nicht sehe, was andere hier geschrieben haben, fällt mir jetzt auch nichts mehr ein. Unter diesen Umständen hier zu schreiben, ist eine Zumutung, rein formal. Wieso bist du eigentlich bei diesem Hampelmannbloganbieter, der eine Anmeldung für jeden Pups will und dann auch noch ein Layout de frühen Neunziger anbietet? Wahrscheinlich ist Twoday.net mal freundlich zu irgendeiner linksextremen Splittergruppe gewesen, da ist man dann treu, gell?

che2001 - 26. Mär, 15:44

Genova, Du machst Dich nur noch lächerlich

Das Schwarzbuch des Kommunismus, in Frankreich in den 1990ern ein Bestseller und zeitweise Kultbuch, ist also Deiner Meinung nach etwas innerhalb de JUZI, ebenso wie die Kritische Theorie und der Poststrukturalismus bzw. die postmoderne Theorie. Bourdieu, Adorno, Lyotard, Baudrillard, Foucault, Solschenzyn und Kopelew haben alle miteinander nur innerhalb des JUZI ihre Thesen vertreten, und ihre Bücher sind offensichtlich als Ausgaben der Göttinger Drucksache odes des Nestbeschmutz erschienen. Und auch die Birthler-Behörde und sämtliche deutschen Gymnasien, bei denen das Thema Stalinismus zum Lehrplan gehört, sie alle befinden sich im JUZI und machen 2 oder 3 Leute aus. Menno, das kann doch alles gar nicht mehr wahr sein!


weia, ramenterhabarbr, lol........;-)


ROFL!!!!!!!!!!
che2001 - 26. Mär, 18:21

"Das Leben der Anderen" ist ein Film, der ausschließlich im JUZI gelaufen ist und dort auch seinen Oscar verliehen bekam. "Sonnenallee", "Good bye Lenin" und "Spur der Steine" liefen zwar im Lumiere, wurden dort aber ausschließlich von JUZI-Leuten geguckt.

Nirgendwo sonst auf der Welt wurden diese Filme je gezeigt.
netbitch - 26. Mär, 19:01

Da komme ich freudestrahlend von einer kraftvollen Equal-Pay-Day-Kundgebung zurück und dann muss ich solch einen *zensiert* lesen. Ja, Genova, Du hast mich durchschaut. Twoday.Net ist natürlich ein linkes Projekt. Dahinter steht die KPÖ (Kommunistische Partei Österreichs), die diese Software so programmiert hat, dass Stalinismus-Diskussionen nicht führbar sein sollen. Und eigentlich bin ich auch eine Kryptostalinistin, wie hieraus ersichtlich wird.


//netbitch1.twoday.net/stories/2311073/


Jetzt mal ernsthaft: Deine angebliche Nicht-Aufarbeitung des Stalinismus kann ich elitär gesprochen nur als zwanghafte Fixierung bezeichnen, oder proletarisch-bodenständig schreibst Du puren Unfug.
workingclasshero - 26. Mär, 22:46

Weder findet sich hier ein "Baskenland" - die Basken nennen es Euskadi, es war aber vom katalonischen Barcelona die Rede, und Katalanen und Basken mögen sich tendenziell eher nicht, das ist so, als ob Turin in Venetien oder Stuttgart im Breisgau verortet würde - noch geht Genova auf irgendeinen der Hinweise darauf, dass der Stalinismus tatsächlich massenhaft, geschichtsmächtig und jahrzehntelang aufgearbeitet und kritisiert wurde in irgendeiner Weise ein. Stattdessen eine tumbe Wiederholung seines längst widerlegten Eingangsstatements. Übrigens würde ich "Layout der frühen Neunziger" als Kompliment betrachten. Die Zeit war von der politischen Denke her und ästhetisch der aktuellen weit voraus. Howgh!
genova68 (Gast) - 27. Mär, 10:06

Tja, ich weiß auch nicht, wie ich es noch sagen soll. Und werfe mir hier bitte niemand Wiederholung vor, die ist nun mal dringend nötig, wenn Ignoranz vorherrscht.

Che,
dein französisches Buch, toll, aber wieder mal ein Beispiel aus Frankreich. Aus Deutschland fällt dir keines ein. Die postmoderne Theorie, das ist ein unseriöser Hinweis, irgendwelche elitären Diskussionen. Stasi-Aufarbeitung in der Schule, nunja, Umfragen belegen doch eher, dass die meisten Jugendlichen die DDR überhaupt nicht mehr kennen. Und ein paar Filme anzuführen als Beleg für die Aufarbeitung auf breiter Ebene, ich meine, du stimmst meiner These der fehlenden Aufarbeiten versehentlich ständig zu. Sonnenallee, aha, das ist also eine kritische Aufarbeitung der Frage, wie es von Marx zu Stalin kommen konnte? Hast du den Film überhaupt gesehen? Che, mal ehrlich, wieso ist jemand, den ich für intelligent und lernfähig einschätze, in dieser Frage so verbohrt? Wie gesagt, wenn 33 bis 45 so läppisch aufgearbeitet worden wäre, ihr würdet euch sicher beschweren - zu Recht.

Schöner weiterer Beleg für meine These: google findet unter dem Stichwort "von marx zu stalin" gerade mal 816 ergebnisse, wovon ein erheblicher teil unsere diskussionen in drei blogs ausmachen. tolle aufarbeitung.

Netbitch,
ja, okay, meine Ausführungen zu deinem Blog waren nicht gerade die seriösesten. wir sind hier ja nicht im seminar. Aber zwanghaft fixiert? Wieso das?

workingclasshero,
da man hier, wie schon erwähnt, die früheren Kommentare beim Verfassen eines neuen nicht lesen kann, wusste ich nicht mehr, ob Baskenland oder Barcelona. Das ist mir auch völlig egal, weil es mit dem Thema nichts zu tun hat. Es ist aber bezeichnend, dass du darauf herumreitest und mir auch noch erklärst, wie Baskenland auf baskisch heißt. Dass deiner Meinung nach die frühen Neunziger ästhetisch überlegen waren, hm, das könnte darauf zurückzuführen sein, dass du damals stehen geblieben bist - ästhetisch und wahrscheinlich auch sonstwie. Aber mach dir nichts draus, die meisten Leute bleiben in ihrer Entwicklung irgendwann zwischen 16 und 20 stehen. (Wahrscheinlich behauptest du auch, dass es seit den frühen Neunzigern keine gute Musik mehr gibt, stimmt´s?)

Warum verwickelt ihr euch permanent in völlig sinnlose Details? Weil ihr genau wisst, dass ihr keine zufriedenstellende Antwort auf meine Frage habt? Es sieht so aus.

Schönen Tag
genova

netbitch - 27. Mär, 14:36

@genova, zumindest frau kann die älteren Kommentare lesen, alles, was in diesem Thread überhaupt gesagt wurde. Einfach hochscrollen. Wo liegt das Problem?

@Zwanghaft fixiert: Nu, Du wiederholst permanent Deine irrige Ausgangsthese, der Stalinismus sei kaum öffentlich aufgearbeitet, es gäbe einen mehr oder weniger direkten Weg von Marx zu Stalin und die Linke als historische Strömung sei mit den sozialistischen Diktaturen im Gefolge der UDSSR bis einschließlich China weitgehend identisch oder würde von fast allen Menschen jedenfalls so wahrgenommen. Sehr verschiedene Leute widersprechen dem mit wirklich guten Argumenten und Literaturhinweisen, die mittlerweile einen Seminarapparat füllen könnten. Das geschieht auf den unterschiedlichsten Wegen: E s wurde gezeigt, dass die Marx´sche Theorie von den unterschiedlichsten Leuten, wie Bebel, Kautsky, Luxemburg, Bernstein, Hilferding weiterentwickelt und uminterpretiert wurde, bevor Lenin kam, und Stalin war dann noch einmal ein ganz Eigener. Und dass bei Marx zum Beispiel auch der Freudomarxismus angelegt war, der über Reich dann in die Kritische Theorie mündete. Oder dass Gewerkschaften weltweit einen beachtlichen Teil der historisch wirkungsmächtigen Linken darstellten, und auch die Sozialdemokratie, aber auch Guerrillabewegungen und Dritte-Welt-Solidaritätsprojekte. Es wurde gesagt, dass diese diffuse und disperse Linke außerhalb des UDDSSR&CoKG-Lagers mindestens eine zweistellige Millionenzahl Menschen umfasste. Du erwiderst darauf regelmäßig "irrelevant", "Elitewissen", "2 Leute im JUZI" und ähnlichen Krempel. Verliebt in Deine widerlegte Ausgangsthese, klammerst Du alles aus, was dieser widerspricht und scheust dabei a uch nicht davor zurück, Deine GesprächspartnerInnen herabzusetzen. Da ist workingclasshero dann "stehengeblieben", wir seien eitel und nicht selbstkritisch (wo bleibt eigentlich die Selbstkritik der CDU für die NS-Verbrechen oder aller Christen für den Antisemitismus?), wenn wir uns mit dem Stalinismus nicht auseinandersetzten, was ja einen impliziten Vorwurf beinhaltet, DOCH damit in irgendeiner Form und von hintenrum etwas zu tun zu haben. Mir mutet das an wie die Paralogik, die Sektenideologien, religiösen Zwangssystemen oder paranoidem Denken eigen ist. Ohne Dir jetzt zu nahetreten zu wollen.
che2001 - 27. Mär, 16:30

Ich hatte mal ein paar ziemlich verbohrten Autonomen den Vorwurf gemacht, sie hielten das JUZI für die Welt. Genova aber scheint die Welt für das JUZI zu halten;-)
noergler - 27. Mär, 16:35

“Wenn eins gewiß ist, dann, daß ich kein Marxist bin.“
Karl Marx


Da Du, Genova, nun Deinerseits nochmals hier gepostet hast, mache ich das auch, entgegen meiner ursprünglichen Absicht, diesen Kommentar im betreffenden Thread Deines Blogs zu bringen, denn ich wollte mich weder dem Vorwurf des defizitären Hosenarschs noch dem eines unreflektierten Hanges zu stalinoiden JUZI-Programmierern der Twoday-Blogsoftware aussetzen.

Ob Baskenland oder Barcelona ist tatsächlich wurscht, oder, wie Lothar Matthäus es einmal sagte: „Egal ob Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!“

Dir fehlt die Aufarbeitung des Stalinismus in der Breite. Einmal unterstellt, dass es 1. „die Linken“ gäbe, und dass sie 2. für die breite Verankerung der Aufarbeitung zuständig wären, so bliebe doch das ewige Problem der Linken: Dass nämlich die Probleme, die die Linke hat, exakt jene sind, die die Bevölkerung nicht hat. „Den Linken“ wird mancherlei angekreidet; besonders als „die 68er“ sind sie bis in alle Ewigkeit verantwortlich für mancherlei Deutschen- und Weltenleid. Den Linken jedoch, umgekehrt, deren Macht- und Einflußlosigkeit aggressiv zum Vorwurf zu machen, das kannte man noch nicht; das ist originell.
Wenn Du meinst, in der Schule geschähe zu wenig, dann laß Dir sagen, dass selbst intensivste Bemühungen postmoderner deutscher JUZI-Filmemacher niemals zu einer Beeinflussung der Lehrpläne hätten führen können.
Oder ist es etwa so, dass die Linken auf ihrem „langen Marsch durch die Institutionen“ in den Kultusministerien anlangten, und nun, als Minister, Staatssekretäre und Ltd. Ministerialdirektoren sich weigern, die Stalinaufarbeitung in die Lehrpläne zu schreiben, verstockt wie die Linken nun mal sind?

Dass die Suche zu „Von Marx zu Stalin“ nur 818 Treffer ergibt, ist wahrlich empörend, zumal wenn man die Trefferzahl anderer Suchworte bedenkt: „Schwanzlutschen“ (106.000), „Möse“ (828.000), „Ficken“ (4.850.000). Die Interessen des Mannes und der Frau aus dem Volke sind ersichtlich andere, als die Interessen, von denen Genova meint, „die Linken“ hätten sträflich vernachlässigt, sie dem Volke zu imputieren.
Ja, liebe Deutsche, nicht so viel ans Vögeln denken, sondern an die Aufarbeitung, denn Genova wünscht dies so, und dem geht es nicht um Euch, sondern um die Welt!

Nächster Punkt: Am Shoa-Standort D werden die Verbrechen Hitlers intensiver behandelt, als die Stalins. Was ein Skandal!
Geh' doch nach drüben, Genova, nämlich nach Georgien, wo Stalin bis heute als Halbgott verehrt wird, und erkläre denen die Notwendigkeit der „Aufarbeitung“! Rechne aber nicht damit, dass Du das Land im selben physischen Zustand verläßt, in dem Du es betreten hast.

Weiter: Deine Einlassung, Marx habe, so irgendwie, „zu Stalin“ geführt, stellt einen derart steilen Idealismus dar, dass Hegel sich geweigert hätte, es zu diskutieren. Große Ideen großer Männer machen Geschichte – wie ranzig ist das denn?

Zudem harre ich noch immer Deiner Begründung, in welcher Weise die Marxsche Theorie, so irgendwie, den Stalinismus schon beinhaltet. Das aber kannst Du nicht sagen, da dies ein Studium der Marxschen Theorie voraussetzte, die Du sowenig kennt, wie die Objekte Deiner Aufarbeitung sie kannten. Marx hat lieber die I. Internationale zum Teufel gehen lassen, als deren „marxistischen“ Unfug mitzumachen.

Die Marxsche Theorie ist schon allein darum für den Stalinismus und andere Aberrationen des Arbeiterbewegungsmarxismus wie für diesen insgesamt nicht verantwortlich, weil die alle die Marxsche Theorie gar nicht kannten. Die Unkenntnis der Theorie ist ja gerade Charakteristikum und Wesen des Arbeiterbewegungsmarxismus. Und wie soll denn bitte sehr, eine Theorie, die die Akteure nicht kennen, diese Akteure in die Irre führen oder sonstwie beeinflussen können?
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Marx-Lektüre wäre das Gegengift gewesen. Ich zeige das mal modellhaft:

Für Stalin bildete die Grundlage seines Handelns die „Theorie“ vom „Sozialismus in einem Land“. Alles was er tat, beruhte auf dieser Überzeugung. Was dem entgegenstand, wurde abgeräumt. Marx-Lektüre indes hätte ihn darüber belehrt, dass Marx das gerade Gegenteil erläutert, nämlich die Unmöglichkeit eines solchen Vorhabens. Dies geschieht in einem Briefwechsel zwischen Marx und der russischen Revolutionärin Vera Sassulitsch, die Marx fragte, ob so etwas geht oder nicht.
In Anbetracht der fundamentalen Bedeutung des „Sozialismus in einem Land“ für Stalins Politik und Marx' eindeutiger Position in dieser Frage, wird es dann schon sehr schwer, die These aufrecht zu erhalten, irgendetwas habe „von Marx zu Stalin“ geführt.
netbitch - 27. Mär, 17:58

Es hat ja auch nichts von Hegel zu Lenin oder von Freud zur Zwangspsychiatrisierung geführt. Danke, Nörgler, für diesen Beitrag!
che2001 - 27. Mär, 18:51

Alles nur JUZI, ja?

Genova, ich verlinke hier mal ein paar Literaturlisten zum Thema Stalinismus und DDR-Unrecht, manches davon aus marxistischer und antistalinistischer Perspektive geschrieben, manches neu und manches Jahrzehnte alt. Die Diskussion über Bahro, Dutschke und Solschenyzin füllte in den Siebziger Jahren in der BRD Hörsäle und Bücher bei rororo.

//www.stasiopfer.com/litera.html

//www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/119838.html


//www.verlagdrkovac.de/literatur/Stalinismus.htm

Deutscher, Isaak,
1. Trotzki I - Der bewaffnete Prophet 1879 - 1921
2. Trotzki II - Der unbewaffnete Prophet 1921 - 1929
3. Trotzki III - Der verstoßene Prophet 1929 - 1940
4. Stalin - Eine politische Biographie
Alle Verlag W. Kohlhammer Stuttgart 1962
Dutschke, Rudi, Versuch, Lenin auf die Füße zu stellen, Verlag Klaus Wagenbach Berlin 1974

ders. Die Sowjetunion, Solschenyzin und die westliche Linke, rororo 1975

//www.buchtips.net/rez150-stalin-der-entfesselte-revolutionaer.htm
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